Türchen 4 (von Karolina)

Raum für Liebe

Heute halte ich DEINE Hand in meiner.
Heute passe ich auf DICH auf.
Heute schläfst DU und ich sitze an DEINER Seite.

Du schläfst. 

Alles ist jetzt anders.

Der Kloß in meinem Hals ist riesig, das Atmen fällt mir schwer, tausend Tränen fließen über mein Gesicht.

Ich sage dir ständig, dass deine Arbeit hier noch lange nicht getan ist und du besser schnell wieder wach wirst.

Wach bitte wieder auf!

Mir ist eisig kalt — ich spüre Wut, Verzweiflung und Angst. Mein Herz rast und mein Kopf droht zu platzen.

Chaos im Kopf.

Finsternis.

Es sind erst 10 Minuten vergangen. Und meine Geduld lässt langsam nach.

Wach auf!

Ich spreche mit dir, ich singe dir dein Lieblingslied. Ich halte deine Hand noch immer fest in meiner.

Meine Gedanken sind NUR bei dir.

2h sind vergangen.

Jetzt ist alles anders.

Der Raum füllt sich mit Liebe. Mir ist warm, mein Kopf leer und mein Herz schlägt ruhig.
Ich fühle nichts als Liebe. Alles ist still.

Ein Raum voll nur mit Liebe.

6h sind vergangen.

Du wirst wach und unsere hellblauen Augen begegnen sich.

Es ist wieder hell.

Alles ist anders,
Obwohl jetzt alles wieder beim Alten ist.

Papa lag im Koma.

Es ist etwas mehr als ein Jahr her. Fast habe ich meinen Helden verloren. Den Menschen, der mich in und auswendig kennt und dem ich blind vertrauen kann.

Wochenlanges Warten ohne irgendetwas ausrichten zu können, schlaflose Nächte und Stunden voller Sorge sind lange vorbei, aber ich kann nicht loslassen. Es fühlt sich wir gestern an.

Vielleicht ist hier und jetzt der richtige Zeitpunkt? Vielleicht habe ich genau das gebraucht?

Ich schreibe. Viel. Aber keiner darf es lesen.

Weil ich versuche zu vergessen? Weil ich nicht weiß, wie ich das anders verarbeiten kann? Weil sein Schmerz viel größer ist als meiner und ich nicht die war die um ihr
Leben kämpfen musste?

Die Erinnerungen an diesem Kampf bleiben mir ins Herz gebrannt, genau so wie der Schmerz.

Heute will ich DIR aber zeigen, wie es mir damit geht. Heute will aber auch loslassen und das Erlebte endlich und wirklich in pure Dankbarkeit umkehren.

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