Blogsinn auf Urlaub (von Marcel)

Liebe Leute, Blogsinn meldet sich aus der Schaffenspause wieder zurück. Zufälligerweise war ich zur selben Zeit wie Blogsinn auf Urlaub, geistig wie auch physisch ;-). Und auch wenn dies kein Blog der Urlaubsgeschichten sein soll, so möchte ich diesmal doch eine persönliche Erfahrung teilen.

Über die Medien erfahren wir sehr viel über unsere Welt. Wir wissen viel darüber, wie andere Kulturen leben, wie andere Vegetationen aussehen und wo welche Tiere leben. Es in Büchern oder im TV zu sehen, ist jedoch nicht das gleiche, wie es selbst zu erleben. Erst wenn wir es selber gefühlt und gespürt haben, dann wissen wir auch wie es wirklich ist. So wissen wir bspw. wie der Regenwald aussieht und welche Tiere sich darin befinden, aber wenn wir nicht in ihm gestanden sind, ihn mit den eigenen Sinnen wahrgenommen haben, wissen wir auch nichts darüber. Wir könnten vielleicht ein Bild vom Dschungel malen, aber keine Geschichte darüber erzählen. Erst wenn wir es selbst erlebt haben, dann verstehen wir, erst dann verändert es uns, weil es auf uns wirkt. Das habe ich erfahren, als ich im Amazonas-Gebiet war und einige seiner BewohnerInnen kennenlernen durfte.

Während meiner Reise durch Peru, welche insgesamt einfach nur atemberaubend war, haben mein Bruder und ich einige Tage im Dschungel verbracht. Von Iquitos, der Stadt im tiefen Dschungel, abgeschnitten von der Außenwelt und nur über das Flugzeug oder mit dem Boot über den Amazonas zu erreichen, sind wir mit einem Boot ca. 2 Stunden den Amazonas zu einer kleinen Lodge mitten im Dschungel gefahren. Dort waren wir die einzigen Gäste für 4 Nächte, insgesamt waren wir 6 Tage im Amazonas Gebiet, man ist geneigt zu sagen „nur“ und dennoch war es wohl die intensivste Erfahrung, welche ich jemals gemacht.

Mit einer Ausdehnung von 6,7 Mio. km² über 8 Staaten ist der Amazonasregenwald der größte zusammenhängende Regenwald der Erde. Der Amazonas ist 6.400 km lang und besteht aus über 1.000 Flüssen. Nirgendwo auf unserem Planeten ist man dem Leben und Tod gleichzeitig so nahe, wie am gefühlten Nabel der Welt. Eine unvorstellbare Vielfalt von Leben, 10% aller Tierarten weltweit sind im Amazonas zu Hause und viele von ihnen sind tödlich. Die Tiere sind dort allgegenwärtig, im Fluss schwimmen weiße Delfine, immer wieder sieht man eine Affenbande von Ast zu Ast schwingen, Adler drehen ihre Kreise, Schildkröten kriechen und Frösche hüpfen herum. Fledermäuse zischen in der Nacht über die Köpfe und die handgroßen Spinnen krabbeln die Bäume hoch. Immer wenn man im Wald unterwegs ist, hört man ein Rascheln oder Knacken, man ist nie alleine. Die Geräuschkulisse im Regenwald ist zwar auf der einen Seite ein wenig unheimlich, aber vor allem unglaublich betörend und magisch.

In der Lodge haben wir in einer kleinen Hütte geschlafen, wo es keine Elektrizität gab und welche nur durch eine Wand aus Bambusstöcken sowie Moskitonetze Schutz vor „draußen“ bot. Über Nacht hatten wir ein Walkie Talkie, welches wir benutzen sollten, falls wir etwas bräuchten. Eine Person von der Lodge war die ganze Nacht über wach. Das Moskitonetz über dem Bett war nicht nur zum Schutz vor Moskitos, sondern man sollte es auch unter die Matratze stecken, so dass ungebetene Gäste nicht das Bett betreten können. Schuhüberprüfung vor jedem Reinschlüpfen ist genauso Pflicht, wie das komplette Schließen aller Taschen, Koffer und Rucksäcke. Bei jedem Toilettengang in der Nacht mit Taschenlampe beschlich einem ein beängstigendes Gefühl.

Für die Lodge arbeiten Ureinwohner des Amazonas Gebiets, diese sind mit uns auch jede Nacht in die Lodge mitgekommen und haben unser Zimmer nach Schlangen, Skorpionen oder Spinnen überprüft. Diese Menschen und ihre Vorfahren sind im Dschungel aufgewachsen, sie kennen nichts anderes. Es sind moderne Menschen, welche sich nicht gegen jegliche Neuerung stemmen, aber sich diese einfach nicht leisten können oder sie mitten im Dschungel schlichtweg nicht verfügbar sind. Sie haben keine Elektrizität, trinken das Wasser des Amazonas, waschen ihre Wäsche und baden darin. Wenn sie in die nächstgelegende Stadt wollen, brauchen sie mit ihrem selbstgebauten Boot ca. 3 Stunden. Dort ist auch das nächste Krankenhaus, falls etwas passiert. Mit diesem Boot haben sie uns herum gefahren und uns ihrer Community vorgestellt. In unserer Zeit im Regenwald haben wir mit Äffchen gespielt, viel von der Flora und Fauna gesehen bzw. über sie gelernt, haben Selbstgebrautes mit ihnen getrunken und eine spirituelle Ayahuasca Zeremonie mit ihnen durchgeführt. Das Gefühl mitten in der Nacht mit den Leuten in einer offenen einfachen Hütte im Dschungel zusammen zu sitzen, zu trinken und lachen, während draußen Schlangen, Affen, Faultiere, Kaimane, Skorpione, Jaguare, Spinnen, Riesenameisen herumtollen (das Gebiet ist die Heimat von 2,5 Millionen Arten Insekten, Zigtausenden Pflanzen und 2 000 Vögeln und Säugetieren), ist mit Worten nicht zu beschreiben. Genauso wenig wie zu Mitternacht auf dem Amazonas durch den Amazonas zurück zum Schlafplatz zu fahren/gehen.

Die Einheimischen haben den schmalen Grat wunderbar gemeistert, dass sie uns auf der einen Seite immer ein Gefühl der Sicherheit gegeben und uns doch so Nahe wie möglich an ihre Welt herangeführt haben. So durfte man z.B. bis ca. 17Uhr an vielen Plätzen im Fluss baden (keinesfalls überall, manche sind piranhaverseucht), aber danach kommen dann der Zitteraal und “other creatures” aus ihren Löchern gekrochen. Zeigt man ihnen einen Tier, kennen sie den Namen und wissen fast alles darüber. Sie wissen alles über den Amazonas, ihren natürlicher Lebensraum. Und das Imponierende war, wie sie mit ihrer Natur umgehen, wenn sie z.B. Müll im Wasser liegen sehen, machen sie teilweise einen Umweg um ihn herauszuholen. Sie wissen, dass diese Natur ihr Leben bedeutet.

Sie leben in unglaublicher Demut und das liegt daran, dass sie sich selbst nicht an der Spitze der Kette unserer Natur wähnen. In ihrer Community leben ca. 200 Personen und im letzten Jahr sind zwei Personen durch Skorpionbisse gestorben. Sie wissen, dass sie jederzeit verletzt oder getötet werden können. Aber sie sind deswegen nicht unglücklich oder verängstigt, im Gegenteil, sie verehren ihren Lebensraum. Wenn sie über den Amazonas reden, dann voller Wertschätzung, Ehrfurcht und Liebe. Das spürt man mit jeder Faser. Das war mehr als beeindruckend, ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie frei diese Menschen waren. Sie haben einfach ihren Platz gefunden, als Teil von etwas Größerem. Sie leben im echten Einklang mit der Natur.

So sind wir den Einheimischen des Amazonas, obwohl wir ihnen in so vielen Dingen voraus sind, in den wirklich essentiellen Dingen weit hinterher, weil wir unsere Wurzeln zur Natur verloren haben. Wir versuchen die Natur zu zähmen und unsere Verbindung zu ihr zu kappen. Vor allem in der Stadt wird alles dafür getan uns vor der Natur zu „schützen“. Das mag Sicherheitsvorteile haben, aber auch große Nachteile, weil wir nicht mehr wissen woher wir kommen, dass wir ein Teil von allem sind und nicht darüber stehen. Wir Menschen fühlen uns als die Könige der Erde, fühlen uns ihr überlegen. Wir denken, wir haben uns die Natur und unsere Erde zum Knecht gemacht, sie gebändigt. Damit irren wir uns aber gewaltig. Wer sind bitte wir lächerliche Menschen im Kontext der Erde mit einer Geschichte von ca. 4,6 Milliarden Jahren. Diese Überheblichkeit gilt es zu überwinden, sonst können wir nicht glücklich werden. Wir müssen wieder zusammenwachsen und dürfen uns da nicht raus nehmen. Außerdem wird die Erde irgendwann grausame und gnadenlose Rache an uns nehmen.

Die Amazonas Einheimischen haben mich durch ihre (Gast)Freundschaft, ehrliche Freundlichkeit und Liebe so nachhaltig beeindruckt, wie nie etwas zuvor. Wir haben in diesen 4 Tagen unsere Leben in ihre Hände gegeben und sie sind sehr sorgsam damit umgegangen. Ich habe allergrößten Respekt und Hochachtung vor ihnen und sie werden immer einen Platz in meinem Herzen haben. Der Amazonas mit allen seinen BewohnerInnen hat mein Leben für immer verändert!

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Liebesbrief an Superfly (von Marcel)

Pünktlich zur Party zum zehnjährigen Jubiläum von Radio Superfly (https://www.ottakringerbrauerei.at/events-fotos/event-detail/artikel/news/detail/superfly-birthday-night-2018/), wollte ich meine Gefühle für diesen wunderbaren Radiosender rauslassen und in einem Brief festhalten.

Liebes Radio Superfly,

das erste Mal nahm ich vor ca. 9 Jahren Notiz von dir, da habe ich immer wieder Werbung von dir in der Nähe vom Volkstheater gesehen, wenn ich dort herum geradelt bin. Das Logo fand ich ganz cool und funky, aber ich konnte mir nicht wirklich was unter dir vorstellen. Ich vergaß dich und viele Jahre zogen ins Land. Es war also nicht wirklich Liebe auf den ersten Blick. Während dieser Zeit hab ich eigentlich so gut wie nie Radio gehört, aber hin und wieder gutes über dich. Vor ca. 5 Jahren zog ich mit meiner Familie um, die Musikanlage bekam einen neuen präsenteren Platz und ich nahm mir vor generell mehr Radio zu hören. Ich zappte also durch die österreichische Radiowelt, welche mir doch sehr begrenzt erschien. Nach nicht ganz überzeugenden Ö1- und FM4-Erfahrungen erinnerte ich mich an dich: Superfly! Da war doch was! Soul, Funk, Jazz, Electro, das passt eigentlich. Ich hörte einige Tage rein. Das erste was ich heraus fand, war, dass ich so gut wie keines der Lieder welche gespielt wurde, kannte. Ich war mir nicht mal sicher, ob da überhaupt neue Lieder dabei waren. Aber egal, es gefiel mir, also hörte ich weiter.
In den darauffolgenden Wochen verschwand die anfängliche Skepsis und schon bald war ich unsterblich in dich verliebt. Seit dieser Zeit läufst du in so gut wie jeder freien Minute auf irgendeinem Device von mir. Ich höre dich, wenn ich auf dem Heimweg von der Arbeit bin und das erste was ich zu Hause mache, ist dich anzuschalten. Ich höre dich, wenn ich müde bin oder auch voller Energie. Ich lausche dich zugedröhnt, beim Spielen mit den Kindern, beim gemeinsamen Kochen, auf Grillfeiern mit Freunden, auf Familienfesten und allgemein, wenn die Wohnung voll ist; im Urlaub, auf Partys, im Sommer an der Donau, im Winter bei Schlittschuhlaufen und auch bei den intimen Momenten mit meiner Frau darfst du natürlich nicht fehlen. Du rundest einfach immer jeden Moment ab, ohne dich macht es halb so viel Spaß.
Und das wirklich Besondere an dir ist, dass du es schaffst, dass deine Musik einfach niemals nervt. Ich kenne keinen anderen Musiksender, bei dem es nicht nach einer Zeit zu viel wird. Du hingegen, liebes Superfly, kannst für Stunden im Hintergrund laufen, ohne das es irgendjemanden stört. Im Gegenteil, du bist oft die Energie, welche die Stimmung aufhellt und alles trägt. Und immer wieder sind dann Lieder dabei, welche man richtig laut hören möchte und wo man sich wie ein kleines Kind freut.
Ich finde es auch unglaublich, wie du immer wieder diese Perlen herauspickst und uns präsentierst. Du hast mir so viele Songs geschenkt, durch dich durfte ich so viele tolle Interpreten kennenlernen, dafür gebührt dir all mein Respekt, mein Dank und natürlich meine Liebe.

Und nun also dein 10jähriges Jubiläum. Ich wünsche dir allerliebste Glückwünsche und hoffe von tiefstem Herzen auf noch viele weitere gemeinsame Jahre. Du hast mein Leben bereichert, ohne dich würde ein Teil von mir fehlen. Du bist wie ein Familienmitglied, meine beiden kleinen Kinder wachsen mit „98,3 SSSuperfly!“ auf.
Du hast mir, meiner Familie und meinem Umfeld unglaublich viel Freude, Liebe und Kraft geschenkt und du bist immer für mich da, wenn ich dich brauche! Deine Musik inspiriert, tröstet und spendet Glück. Ich möchte alt mir dir werden und eines Tages, wenn ich 70 Jahre bin, werden die Kinder, wenn sie dich oder deine Musik hören, an mich und an unsere gemeinsame Zeit denken. Diese Momente werden uns für immer bleiben. Die Superfly Musik wird zu diesem Zeitpunkt natürlich schon historisch sein, wie für uns die Beatles oder Elvis, aber so ist das Leben, wir sind alle vergänglich und haben ein Ablaufdatum, aber wir müssen die gemeinsame Zeit nutzen, Momente teilen und Gefühle schaffen, welche wir unser ganzes Leben in uns tragen und uns für immer verbinden werden.Und genau das machst du, liebes Superfly und dafür liebe ich dich.

Euer treuer Hörer Marcel.

Vielleicht sehen wir uns auf der Party?!

Akzeptanz [überarbeitet] (von Marcel)

Aufgrund der Bitte, es nochmal zu überarbeiten bzw. zu erweitern und weil es ein besonders wichtiges Thema für mich ist, habe ich nochmal über die Akzeptanz geschrieben:

Es kann nur der frei von aller Last und Gram sein, der mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat, der das nicht Getane akzeptiert und mit dem Getanen Frieden geschlossen hat.

In unserem Leben treffen wir sehr viele Entscheidungen, täglich kleine und unwichtige und hin und wieder auch große lebensverändernde. Manchmal grübeln wir lange, welchen Weg wir wählen sollen, manchmal entscheiden wir aus dem Bauch heraus und manchmal übernehmen wir die Meinung von anderen Menschen. Einige Entscheidungen werden auch für uns getroffen, z. B. im Kindesalter von unserer Familie oder unseren Freunden. Dazu kommen biologische und soziale Grenzen, welche uns einen Weg vorgeben. Arme Menschen haben nicht die gleiche Auswahl wie reiche, kranke Menschen nicht die gleichen, wie gesunde.

Unser Leben ist also eine Mischung aus freien (sofern dies überhaupt möglich ist) und vorgegebenen Entscheidungen. Zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung können wir die Folgen nur sehr selten abschätzen, aber eines ist sicher:

Wir haben die Entscheidung aus gutem Grund getroffen!

Vielleicht wurde sie unter falschen Umständen getroffen oder war es ein Abwegen zwischen Pest und Cholera, vielleicht haben wir uns nicht viel dabei gedacht und damit die Wichtigkeit nicht erkannt, vielleicht ist sie zu spontan gefallen oder auch umgekehrt haben wir sehr viel Zeit investiert, bevor wir zu einem Entschluss kamen. Möglicherweise ist es auch einfach von einem hormonverseuchten Teenagerhirn ausgedacht worden. Wie auch immer es zu Entscheidung kam, wir dachten, sie wäre richtig.

Sich dies vor Augen zu führen, ist von enormer Bedeutung, wenn wir unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und auch unsere Zukunft bewerten wollen, denn ob die Wahl wirklich richtig war, können wir meist erst rückblickend herausfinden. Aus diesem Grund bleibt uns nur die Akzeptanz unserer Entscheidungen, auch wenn sie sich im Nachhinein als falsch herausgestellt haben oder wir es gerne anders gehabt hätten. So gut wie jeder Mensch hat solche wichtige Entscheidungen getroffen, die er heute bereut bzw. zumindest anders treffen würde. In der Familie, in der Schule, bei Partnerschaften, verpasste Chancen, enttäuschte Menschen oder man hat sich selbst nicht zu der Person entwickelt, die man sein wollte.

Es ist mühselig vergangenen Entschlüsse im Nachhinein zu hinterfragen. Gleiches gilt für die Entscheidungen, die von unserer Familie und unseren Freunden für uns getroffen wurden. Auch hier wurde fast immer eine Wahl für uns getroffen, welche die handelnden Personen als gut erachtet haben, sie haben versucht aus ihrer Sicht alles richtig zu machen. Ob ihre Wahl für uns wirklich richtig waren, das sei dahingestellt, aber sich dessen bewusst zu sein, ist wichtig. Oder sie waren einfach nicht soweit und wussten nicht was sie tun. Dann müssen wir vergeben oder zumindest Gleichgültigkeit empfinden, jedes andere destruktive Gefühle würde uns unglücklich machen.

Nur wenn wir das verstehen und akzeptieren, können wir loslassen und uns in der Gegenwart bewegen. Denn gegenwärtige Entscheidungen sollten nicht zur Bereinigung der Vergangenheit dienen, außer natürlich es ist im seltenen Fall möglich, sondern sie sollten ausgehend von unserer Gegenwart die besten Möglichkeiten für unsere Zukunft ausloten.

Dabei bedeutet das Akzeptieren nicht, mit seiner Vergangenheit und den aktuellen Gegebenheiten völlig zufrieden zu sein oder dass man nicht versuchen soll, die Person zu sein, die man sein möchte. Aber eine Veränderung kann nur dann stattfinden, wenn man sich selbst kennen gelernt und akzeptiert hat. Nur auf dieser Basis können wir unsere Gegenwart beschreiben und unsere Zukunft definieren. Diese Akzeptanz ist ein ständiger Prozess und immer gilt es die Dinge aus den neuen Lebensumständen heraus zu bewerten. Unsere Vergangenheit hat unsere Gegenwart und Zukunft zu einem gewissen Grad schon vorgegeben und jede Entscheidung öffnet fast immer eine Tür und schließt eine andere. Wir können nicht alles haben, sondern wir müssen ständig Abwegen, Abstriche machen und Kompromisse schließen. Dessen müssen wir uns bewusst sein und damit müssen wir Frieden schließen, sonst wird es schwierig den Weg zur Zufriedenheit und zum Glück zu finden.

Wir lieben euch an jedem Tag!

Blogsinn liebt euch alle, so wie ihr seid, denn wir sind alle gleich. Wir versuchen den richtigen Weg durch unser Leben zu finden, alles richtig zu machen, uns und unser Umfeld glücklich zu machen. Das klappt uns mal mehr und mal weniger. Wir können uns aber nichts vorwerfen, denn wir sind Menschen, was wissen wir schon!? Alles was wir machen können ist versuchen! Dafür müssen wir uns gegenseitig Kraft und Liebe schenken.

Sei du selbst! (Marcel)

Spätestens seit Erving Goffman wissen wir, dass wir alle eine Rolle spielen, eine Art Theater. Je nachdem, wo wir uns gerade befinden, verändern wir auch unser Verhalten, wir passen uns an und führen die uns gegebenen Rollen aus. Manche Menschen sind in verschiedenen Situationen sogar völlig andere Persönlichkeiten. Das ist in unserer Gesellschaft zu einem gewissen Grad auch notwendig, allerdings hat das auch einen großen Nachteil, denn man fühlt sich da am wohlsten, wo man sich am wenigsten verstellen muss, wo man so sein kann, wie man wirklich ist. Das gilt für die Arbeit, bei den Nachbarn, bei Freundschaften, Eltern, Geschwistern oder auch in Partnerschaften.

Oft ist bspw. genau das der Unterschied zwischen einer Bekanntschaft und einer Freundschaft. Es gibt Menschen, mit denen man sich vielleicht gerne hin und wieder trifft, aber immer in künstlichen und strukturierten Situationen, man sieht sich eher nicht intim und ehrlich. Jede/r von euch wird solche Bekanntschaften haben. Auf der Arbeit spielen wir die Rolle, die von uns erwartet wird, passen uns dem Mikrokosmos höchstmöglich an. Versuchen wir jetzt aber einmal unseren, vielleicht auch völlig utopischen, Traumberuf vorzustellen. Ich denke, die meisten von euch sehen in ihrem Traumberuf eine selbständige Tätigkeit, einfach weil diese der eigenen Erfüllung am nächsten kommt. Man wäre sein eigener Boss und könnte den Beruf so ausüben, wie man das möchte, müsste sich viel weniger anpassen. Aber auch zu den Eltern oder Geschwistern hat man umso mehr Vertrauen, je mehr sie einen akzeptieren, genauso wie man ist, wenn man sich vor ihnen nicht verstellen, ihnen nichts vorspielen muss.

Natürlich müssen wir bis zu einem gewissen Grade realistisch bleiben, in der jetzigen Gesellschaftsordnung können wir nicht machen was wir wollen und auch nicht in allen Situationen immer völlig wir selbst sein. Die Menschen und die Institutionen sind dafür noch nicht bereit. Wir können aber versuchen uns dem anzunähern und Grenzen zu verschieben. Wir werden sehen, dass es uns glücklicher machen wird, wenn wir einfach so sind, wie wir sein möchten.

Sein Gefühle nicht zu zeigen und sein Verhalten anzupassen hat auch viel mit Selbstschutz zu tun. Wenn man sich öffnet und sein echtes Ego zeigt, läuft man immer auch Gefahr verletzt zu werden. Es kann ausgenutzt werden und immer spielt auch die Angst mit, dass der gegenüber einen nicht so mag, wie man wirklich ist. Das kann man aber nur herausfinden, indem man es ausprobiert. Vielleicht verlieren wir dadurch sogar die ein oder andere Bekanntschaft, Freundschaft oder sogar Partnerschaft. Vielleicht merken wir auch, dass wir in unserem Job nicht richtig aufgehoben sind. Es kann also Folgen haben, aber was am Ende übrig bleibt, wird viel ehrlicher, tiefer und inniger sein als zuvor.

Let’s talk about … Nein. (von Richard)

Let’s talk about … Nein.

Ich bin ja schon ein bisschen älter und das Studium und die Foucault-Lektüre ist schon ein bisschen her. Aber wenn jemand sagt „Wir sollten mehr über Sex reden“, werde ich stutzig. Nein, ich glaube nicht, dass wir das sollten, bzw. würde den Appell zurückweisen. Und mit ein bisschen Nachdenken fallen dafür, gewissermaßen nachträglich zur beinahe instinktiven Abwehr, sogar Gründe ein.
Zunächst: nein, ich denke nicht, dass ich über Sex mit irgendwem anderen reden sollte, als ich es nicht bis jetzt ohnehin tue. Mit Partnerinnen, mit Freunden, mit Freundinnen. Ich wüsste nicht, warum ich an dieser Praxis etwas ändern sollte. Ich denke nicht, dass ein weiteres, ein „Mehr-Reden“ besser wäre, für mich, die ZuhörerInnen, für irgendjemanden. Insofern: Ich sehe keinen Bedarf. Weiters: ich will auch nicht wirklich etwas über die Sexualität von Menschen wissen, die nicht auch bislang mit mir darüber reden wollten. Vereinfacht gesprochen (und so natürlich nicht generalisierbar) interessiert mich die Sexualität meiner ArbeitskollegInnen oder SportvereinskollegInnen oder MitfahrerInnen in der U-Bahn eigentlich nicht. Und möglicherweise würde es das Zusammenleben als ArbeitskollegInnen, MitfahrerInnen in der U-Bahn oder im Sportverein eher ins Unvorteilhafte verändern. So genau kann ich mich nicht mehr erinnern (auch das ist schon ein bissl her), aber das Beständige Diskursivieren der eigenen oder fremden Sexualität lässt sich auch als „Terror der Intimität“ (oder Überintimisierung) beschreiben. Ich möchte mit jemanden Sport machen, und mich nicht dafür interessieren müssen, wer wen (oder von wem) gerne mit einem Strap-On …. Man ahnt, worauf ich hinaus will?
Gut, bislang habe ich über mich geschrieben. Kein Wunder, bei solch einem intimen Thema. Aber es gibt mehr. Man kann berechtigterweise bezweifeln, dass das Reden über Sexualität – oder besser: der Appell mehr darüber zu reden! – recht sinnvoll ist. Und zwar – Soziologie! – weil der Appell an das Subjekt nicht viel bringt. Wenn es denn so sein sollte, dass wir zu wenig über Sexualität reden, sollten wir uns überlegen, warum das so sein könnte. Und wenn es dafür gesellschaftliche Gründe gäbe, hilft der „voluntaristische“ Appell nicht recht viel, der Appell an das vermeintlich handlungssouveräne Subjekt. Gesellschaftliche Verhältnisse lassen sich nicht dadurch verändern, dass wir das wollen, oder wir uns das wünschen. Bzw. kann man sich die Frage stellen: Warum der Geständniszwang in Bezug auf den Sex? Was macht den Sex so besonders? Sexualität ist eine besondere Sphäre der Subjektivierung, die Summe meiner sexuellen Erfahrungen, aber auch der gesellschaftliche Umgang mit meiner Sexualität (oder meinem Begehren), prägen mein Selbst. Didier Eribon beschreibt das sehr fein in der „Rückkehr nach Reims“. Warum sollte diese intime Subjektivierung einem „Mehr-darüber-Reden“ unterworfen werden, einer Entäußerung in eine gesellschaftliche Sphäre? Warum sollte es dieser intimen Subjektivierung dienlich sein, mit anderen Personen darüber zu reden, als ich es ohnedies möchte? Bzw. – wenn ich nicht darüber reden möchte – was hieße dies in diesem Diskurs über meine Sexualität? Darf man überhaupt Nicht-Reden, oder macht sich dann das Nicht-Reden verdächtig? Und in Bezug auf „Make Sex normal“ – welche Normierung ist damit gemeint, und was ist außerhalb dieser Norm?
Was heißt das jetzt alles? Auf gar keinen Fall, dass man nicht über Sex und Sexualität und Lust und Begehren reden sollte. Aber, dass es berechtigte Zweifel darüber gibt, ob es ein „befreites Reden über Sexualität“ geben könnte, nur weil wir uns das wünschen würden. Oder, dass wir einer „befreiten“ Sexualität näherkämen, würden wir mehr darüber reden. Die Sache ist wahrscheinlich komplexer. Wir müssen also nicht unbedingt mehr über Sex reden, sondern viel eher über die gesellschaftlichen Bedingungen, die den Sex unfrei machen. Zum Beispiel: es geht nicht darum dass einzelne Personen mehr über ihre Homosexualität reden, sondern darum eine Gesellschaft zu schaffen, in der man ohne Probleme zu seiner/ihrer Homosexualität stehen kann oder reden kann. Aber insofern man auch Mehr-Reden über das „Mehr-Reden über“ kann, bin ich froh über den gedanklichen Austausch.

Germanische Opferungsansprache

„Oh grenzenlos mächtiger Winter, wir wissen, dass du über unser Schicksal entscheiden kannst, wie es dir beliebt. Deine Macht ist unendlich und wir sind nur eine Schneeflocke im Vergleich zu deiner Erhabenheit. Dennoch appellieren wir an deine Güte, oh großer Winter, bitte verschone uns auch dieses Jahr vor der ewigen Kälte und unserem sicheren Tod. Um unsere Unterwerfung darzustellen, opfern wir dir diesen Schneemann. Wir hoffen, dass wir dich damit milde stimmen können. In ewiger Dankbarkeit und wohl wissend, wo unser und wo dein Platz ist: Deine untertänigen Menschen!“

Überlieferte Ansprache germanischer Stämme anlässlich der Opferung für den Winter ca. 600 v.Chr.

Burning Snowman 27.01.18

Am Samstag hat der erste Burning Snowman in Wien stattgefunden. Gerne möchte ich mit euch ein paar Impressionen teilen:

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Majestätisch steht er da!
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Freut sich auf seine baldige Opferung.
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Eine letzte Henkersmahlzeit, wir sind ja keine Unmenschen.
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Mit vollem Bauch wartet es sich gleich besser.
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Währenddessen wird das Feuer entzündet.
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Eine Beschwörung für den allmächtigen Winter.
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Liebevoll wird er ins Feuer getragen.
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Er spürt keine Schmerzen, sondern nur Freude.
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Er wird eins mit dem Feuer, mit unserer Natur und besänftigt den Winter.
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Ausgelassener Jubel und hypnotisches Tanzen.
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Die ewige Eiszeit wurde noch einmal abgewendet, der Winter hat unsere Gabe akzeptiert.