Germanische Opferungsansprache

„Oh grenzenlos mächtiger Winter, wir wissen, dass du über unser Schicksal entscheiden kannst, wie es dir beliebt. Deine Macht ist unendlich und wir sind nur eine Schneeflocke im Vergleich zu deiner Erhabenheit. Dennoch appellieren wir an deine Güte, oh großer Winter, bitte verschone uns auch dieses Jahr vor der ewigen Kälte und unserem sicheren Tod. Um unsere Unterwerfung darzustellen, opfern wir dir diesen Schneemann. Wir hoffen, dass wir dich damit milde stimmen können. In ewiger Dankbarkeit und wohl wissend, wo unser und wo dein Platz ist: Deine untertänigen Menschen!“

Überlieferte Ansprache germanischer Stämme anlässlich der Opferung für den Winter ca. 600 v.Chr.

Burning Snowman 27.01.18

Am Samstag hat der erste Burning Snowman in Wien stattgefunden. Gerne möchte ich mit euch ein paar Impressionen teilen:

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Majestätisch steht er da!
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Freut sich auf seine baldige Opferung.
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Eine letzte Henkersmahlzeit, wir sind ja keine Unmenschen.
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Mit vollem Bauch wartet es sich gleich besser.
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Währenddessen wird das Feuer entzündet.
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Eine Beschwörung für den allmächtigen Winter.
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Liebevoll wird er ins Feuer getragen.
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Er spürt keine Schmerzen, sondern nur Freude.
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Er wird eins mit dem Feuer, mit unserer Natur und besänftigt den Winter.
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Ausgelassener Jubel und hypnotisches Tanzen.
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Die ewige Eiszeit wurde noch einmal abgewendet, der Winter hat unsere Gabe akzeptiert.

Let’s talk about sex! (von Frieda Notter)

Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht schockiert, denn ich werde jetzt über Sex schreiben – na ja, eigentlich über das Sprechen über Sex. Denn ich finde: es würde uns allen gut tun – ob wir in Beziehungen sind oder nicht, ob wir ihn haben oder nicht, ob wir ihn haben wollen oder nicht – mehr über Sex zu sprechen.

1. Ist das nicht voll peinlich?
Ja, das ist voll peinlich. Und ich bin sicher ziemlich oft voll peinlich. Aber wisst Ihr was: ist der Ruf erstmal … genau! Und ein ungeniertes Leben ist ein ziemlich schönes Leben! Aber ich weiß schon was Ihr meint: ihr wollt niemandem zu nahe treten (ich habe ja die Vermutung, dass diese Angst, jemandem zu nahe zu treten, in Österreich besonders stark ausgeprägt ist). Ich denke aber, dass es kaum möglich ist, anderen Menschen nahe zu kommen, ohne zu riskieren, ihnen auch mal zu nahe zu treten. Und ich wette mit Euch: wenn Ihr anderen Menschen Dinge erzählt, die Euch ein wenig peinlich sind, dann werden sie sich Euch auch öffnen. Und plötzlich ist das Peinliche, Schlimme, Perverse gar nicht mehr ganz so peinlich, schlimm und pervers.

2. Sollten wir nicht lieber einfach Sex haben, anstatt drüber zu sprechen?
Jein. Gegen Sex haben ist nichts einzuwenden, im Gegenteil.Wenn er einvernehmlich geschieht und alle Beteiligten glücklich macht. Und genau deswegen ist über Sex sprechen wichtig. Denn nur wenn wir aussprechen können, welche Ideen und Szenen und Vorlieben unsere geheimen Träume bevölkern, haben wir die Chance, an jemanden zu geraten der/die sagt: ja genau, davon träume ich auch manchmal, lass es uns tun! Oder zumindest: davon habe ich zwar noch nie geträumt, aber weißt Du was, jetzt bin ich neugierig! Über Sex sprechen zu können, hilft nicht nur dabei, guten Sex zu haben, sondern auch einvernehmlichen Sex zu haben. Es ist in letzter Zeit viel diskutiert worden über das schwedische Gesetz, das vorschreibt, dass vor dem Sex beide Partner*innen explizit ihre Zustimmung zu signalisieren haben. Ich finde das eine gute Lösung um halbherziges Mitmachen zu verhindern, nur weil es jemand nicht geschafft hat, rechtzeitig ein „vielleicht doch lieber nicht“ zu signalisieren. Sie setzt aber voraus, dass wir es schaffen, explizit um Sex zu bitten, danach zu fragen, ob der/die andere ihn auch möchte, ohne so rot zu werden, dass das Blut in anderen relevanten Regionen fehlt. Und genau deswegen sollten wir es lernen.

3. Wird nicht genug gesprochen über Sex?
Ja und nein. Es wird zu viel über Sex gesprochen und zu viel Sex gezeigt – in den Medien, in der Werbung, in Lebenshilfebüchern, in schlechten Pornos (und die meisten Pornos sind schlechte Pornos) – und gleichzeitig viel zu wenig von normalen Menschen wie Dir und mir. Das Bild, das wir von Sex haben, ist in unverhältnismäßig hohem Ausmaß von sehr speziellen Akteuren geprägt. Sex dient dazu uns zu umgarnen, uns zu Konsum zu verführen, uns zu erregen und unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Kein Wunder, dass wir mit vollkommen unrealistischen Bildern von Sex konfrontiert sind. Ich würde behaupten, dass diese Bilder uns mehr schaden als nutzen, sie uns eher in die Irre leiten als aufklären und bilden. Weil sie mit dem Sex, den Du und ich haben, nicht viel zu tun haben. Weil sie uns mit unrealistischen Leistungsmaßstäben konfrontieren – wo doch Leistung das Letzte ist, was uns zum Thema Sex einfallen sollte. Weil sie nicht absichtslos abbilden, sondern (andere) Ziele verfolgen. Aber auch: weil es eben tatsächlich meist Bilder sind: Sex kommt in der Öffentlichkeit meist in bildlicher Form vor. Doch der Sex, den wir haben und den wir gerne hätten, der ist so viel mehr: er ist eine Phantasie, ist gesprochenes Wort, Berührung, Atem, er riecht und schmeckt. Er lässt uns fühlen und zittern. Ich behaupte mal, mit Worten, und zwar unseren eigenen, kommen wir dem so viel näher, können ein so viel genaueres, schöneres und vor allem weiteres und vielschichtigeres Bild dessen zeichnen, was uns Menschen sexuell möglich ist. Und das hilft dann wirklich, bildet, klärt auf, eröffnet Möglichkeiten.

4. Dass wir mit unseren Liebsten über Sex sprechen sollen, OK. Aber mit anderen Menschen?Gehört Sex nicht einfach ins Schlafzimmer und nicht in die Öffentlichkeit?
Nein. Sex gehört in die Öffentlichkeit. Also das Sprechen darüber. Denn er ist schon längst dort. Siehe 3. Er gehört aber auch deswegen dorthin, weil, wie die 68er schon wussten, das Private politisch ist. Und weil wir, denen es verhältnismäßig leicht fällt, über unsere Sexualität zu sprechen, dadurch Menschen helfen können, denen es nicht so leicht fällt, denen Sex, ihre sexuelle Orientierung, ihre sexuellen Wünsche und auch Nicht-Wünsche zum Problem geworden sind, die von den engen Vorstellung, die so zirkulieren, eingeengt werden, oder gar die ihre Sexualität nicht offen leben können, ohne verspottet, bedroht und manchmal sogar von ihren Familien verstoßen zu werden. Das kann das mutmachende Zeugnis eines bekannten Wissenschaftlers und Hochschullehrers sein, der offen zu seiner Bisexualität und seinen SM-Neigungen steht, das kann die Ärztin sein, bei der auch sexuelle Fragen und Sorgen ohne Hemmungen besprochen werden können, das können aber auch wir selbst sein, wenn wir signalisieren: wir sind offen, wir haben keine Geheimnisse (zumindest weniger als andere), uns darf man alles fragen und alles erzählen, wir haben ein offenes Ohr. Ich bin häufig gewarnt worden, über meine Sexualität, meine Beziehungen und meine Erfahrungen zu sprechen, habe es trotzdem immer wieder getan und hab so viele wunderbare Erfahrungen gemacht mit Menschen, die dann ihrerseits so unglaublich mutig und offen waren, dass ich das nur wärmsten Herzens empfehlen kann!

Mein Rat also, verbunden mir einer Seh-Empfehlung (nein, kein Porno!)
Talk about sex and make sex normal!

Freue mich über Eure Gedanken, Kommentare und Diskussionsbeiträge!

Berührt euch! (von Frieda Notter)

Berührt einander!

Ja, richtig gelesen! In Zeiten von #metoo, das ich übrigens für eine immens wichtige und fruchtbare Bewegung halte, plädiere ich dafür, andere Menschen häufiger, intensiver und liebevoller zu berühren. Dass damit nicht gemeint ist, wildfremde Menschen zu umarmen, noch bevor man überhaupt ein Wort miteinander gesprochen hat (außer die Person signalisiert eindeutig Einverständnis- zum Beispiel bei einer free hug -Aktion) ist ja sowieso selbstverständlich, und dass damit in der Regel nicht Berührungen intimer Körperregionen gemeint sind, sollte auch klar sein.Read More »

Der Tod (von Marcel)

Wir alle leiden unter einer tödlichen Krankheit: Dem Leben.

Alle Menschen, alle Lebewesen und die gesamte Materie haben nämlich eines gemeinsam: die Vergänglichkeit. Die Vergänglichkeit ist unumgänglich und verbindet uns alle auf einmalige Weise.

Obwohl wir das ganz genau wissen, versuchen wir den Tod dennoch so gut wie möglich zu verdrängen, ihn wortwörtlich totzuschweigen. Der Tod nimmt in unserem Leben nirgendwo den Raum ein, den er eigentlich haben müsste. Er ist weder Thema in der Familie, noch unter Freunden oder in der Schule. Über den Tod redet man nicht! Nicht als Kind, nicht als Erwachsene, sogar viele ältere Menschen, welchen dem Tode sehr nahe sind, möchten nicht darüber sprechen. Dabei ist er als unterbewusste Angst allgegenwärtig und beeinflusst unser Handeln wie keine andere Komponente.Read More »

Schlechter Neujahrsvorsatz

Zu jedem Jahreswechsel gibt es den obligatorischen guten Neujahrsvorsatz. Da wir Menschen so viele schlechte Eigenschaften besitzen, versuchen wir diese nach und nach zu ändern, obwohl ja nur die wenigsten Vorsätze auch eingehalten werden. Die Idee negative Eigenschaften oder Gewohnheiten zu ändern, ist löblich und unsere persönliche Weiterentwicklung sehr wichtig. Unabhängig davon nehmen unsere früheren Angewohnheiten mit steigendem Lebensalter aber sowieso immer weiter ab. Wir werden Erwachsen, bekommen Kinder und die Gesellschaft sagt uns ganz genau was in den jeweiligen Lebensphasen erlaubt ist und wie man sich gefälligst nicht mehr zu Verhalten hat. Schiefe Blicke, Kopfschütteln oder (hörbare) innere Monologe des Gegenüber sind die Folge bei Fehlverhalten. Dadurch wird unser Verhalten größtenteils fremdbestimmt. Das Kind in uns schließen wir tief in einem Kerker ein und meistens verkümmert es dort immer weiter bis zu unserem Lebensende. Aber damit muss Schluss sein!Read More »

Geruch

Habt ihr euch schon mal über unseren Geruchssinn Gedanken gemacht?

Jede Stadt hat ihren eigenen persönlichen Geruch, dieser wird bedingt durch die Lage, die Industrie und die Kultur der Stadt. Welche Fortbewegungsmittel werden bspw. verwendet und was Kochen die Menschen?! Städte am Meer riechen anders als Städte in den Steppen. Heiße Städte anders als kalte. Das alles kombiniert ergibt die jeweils eigene Stadtnote. Aber auch jede Wohnung hat einen eigenen Geruch. Welche Lebensmittel werden in der Wohnung gekocht, gegessen und getrunken. Jeder Mensch hat unterschiedliche Ausscheidungen, Männer riechen anders als Frauen und Menschen anders als Tiere.

Der Geruchssinn ist wirklich sehr speziell. Er ist sehr anpassungsfähig, eigentlich wollen wir gute Gerüche und erkennen schlechte Gerüche auch sehr schnell, aber man kann sich trotzdem an jeden Geruch gewöhnen. Mir fällt da als Erstes das Paris des 18. Jahrhunderts aus dem Buch “Das Parfüm” ein, wo die Scheiße durch die Gassen fließt. Außerdem ist der Geruchssinn stark mit Erinnerungen verbunden. Wenn man etwas (alt)bekanntes riecht, so fällt es einem oft ohne nachzudenken ein. Und kein anderer Sinn ist so mit der Kindheit verknüpft, denn häufig sind es die Gerüche aus unseren jungen Jahren, an die wir uns erinnern und die bei uns diese besondere Sehnsucht auslösen. Ich glaube ich könnte wahrscheinlich noch heute alle Wohnungen meiner Familie und guten Freunde von damals mit verbundenen Augen erriechen.

Die Redewendung “Ich kann dich gut riechen” stimmt! Schon die Babies erriechen ihre Mütter, es ist ein Urinstinkt. Ein bekannter Geruch gibt uns das Gefühl von Sicherheit, er bedeutet Heimat und zu Hause.

Türchen 24 (von Marcel)

24 Türchen sind geöffnet, 21 Freunde haben etwas geschrieben, gesungen, gezeichnet, gebacken oder sich was ganz anderes ausgedacht. Und ganz ehrlich, ich habe es genossen! Jeden Tag habe ich mich gefreut, wenn ich Post erhalten habe. Ich habe jeden eurer Texte bestimmt drei Mal gelesen und ich bin wirklich traurig, dass es vorbei ist. Es waren so viele Perlen dabei, dass ich mir jetzt eine Kette mache. Jedem Beitrag hat man angemerkt, dass die Person ehrlich etwas zum Ganzen beitragen wollte, viele haben etwas von sich Preis gegeben, was ich so von ihnen noch nicht kannte. Ein Stück von ihrer Seele. Indem wir über unsere Gefühle reden, öffnen wir uns, wir geben etwas von unserem Inneren frei. Das macht uns verletzlicher, aber es bringt uns auch einander näher, wir lernen uns besser kennen.Read More »