Türchen 17 (von Christine)

Viele Menschen mit denen ich zu tun habe, Bekannte, Freunde aber auch aus dem beruflichen Kontext berichten darüber dass sie sich emotional abgestumpft, ausgelaugt, vielleicht sogar ein bisschen depressiv fühlen. Dies alles ist phasenweise normal, und jede/r von uns wird das schon erlebt haben oder noch werden. Und trotzdem scheinen sich die psychischen Krankheiten in der heutigen Zeit zu häufen, scheinen Burn Outs und Depressionen, aber auch Angsterkrankungen wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Als erklärte Hobbypsycho,- und Soziologin wage ich die These aufzustellen, dass dies viel mit der Beschaffenheit der modernen Welt zu tun hat, und damit, was diese uns abverlangt.

So gut der vielgepriesene Individualismus (ich selbst bin eine große Verfechterin und wer mich kennt der weiß das :-)) ist, so schwierig ist es aber auch mit den unendlichen Wahlmöglichkeiten, mit den losen Strukturen, kurz gesagt, mit der Freiheit umzugehen. Gerade im letzten Jahr habe ich, auch durch persönliche Krisen, viel darüber nachgedacht. Und ich bin zu dem Schluss gekommen dass es doch noch Regeln dafür gibt wie man leben soll, sie werden uns nur anders vermittelt. Es herrscht viel informeller Druck. Druck, etwas Besonders zu sein, Besonders zu leisten, zu erleben, gut in dem zu sein was man tut. Da sind die Ernährungsgurus, die Lifestyleoptimierer die suggerieren vegan zu sein, Sport und vor allem Yoga zu machen, regelmäßig zu meditieren, gut im Job zu sein, sich aber gleichzeitig auf sich zu besinnen, Yoga zu machen und zu meditieren, mit 30 um die Welt gereist zu sein, dann aber bitteschön eine Familie zu gründen, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen, im Anschluss mit den Kindern viel zu reisen… die Liste ist endlos. Klar kann man dem auch entsagen, als Single leben und keine Familie gründen – dann aber bitteschön cool und reisend, etwas Besonderes tuend und schaffend. Das alles muss natürlich zusätzlich schön verpackt und in sozialen Medien der Familie und dem Freundeskreis präsentiert werden. Das passt auch gut zu Türchen Nr. 13, in dem es um die viel gepriesen „Work-Life Balance“ ging.

Dies alles ist sehr überspitzt formuliert. Und es ist sicherlich nicht der einzige Grund für das Ansteigen psychischer Erkrankungen. Zu nennen wären auch noch fehlende Zeit für Eigenreflexion und Besinnung. Das Smartphone sorgt dafür, dass wir uns jeden Moment, in dem wir uns früher auf unsere Gefühle und auf Reflexion konzentriert haben, ungenutzt verstreichen lassen. Die Schnelllebigkeit im Allgemeinen, der steigende Stress im Beruf, die hauptsächlich geistigen Tätigkeiten die uns davon abhalten unsere Körper zu spüren – mir würden noch viele Gründe einfallen.

Ich kam auf dieses Thema, weil 2019 ein schweres Jahr für mich war. Geprägt von vielen Krisen in meiner Partnerschaft, von Problemen in meiner Kernfamilie, von beruflichen Herausforderungen hatte ich Zeiten in denen ich nicht mehr ein noch aus wusste. Das allein hätte mich wohl noch nicht umgehauen. Die zusätzliche Tatsache aber, bald 30 zu werden, kein gebautes Haus, keine gekaufte Wohnung, keine Kinder zu haben, während des Studiums nicht gereist zu sein… der ständige Vergleich mit anderen, der riesige informelle Druck, haben mich letztlich so sehr an mir und an allem zweifeln lassen, dass ich wenig Sinn mehr gesehen habe. Letztlich aber hat dies dazu geführt dass ich endlich wieder, nach langer Zeit, begonnen habe mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, mich von den gesellschaftlichen Vorstellungen zu lösen und mich wieder auf mich und meine Gefühle zu besinnen. Wenn man es ständig allen, dem/der PartnerIn, der Familie, dem Arbeitgeber UND der Gesellschaft recht machen will wird vieles an Gefühlen und Bedürfnissen verdrängt und unterdrückt. Man übergeht sich. Und in all dem angeblichen Individualismus, der angeblichen Freiheit, da vergisst man sich. Die Vermutung, dass dies sehr viel mit den steigenden Burn Outs, Depressionen und Angsterkrankungen zu tun hat liegt nahe. Mein Weg ist noch lange nicht vorbei, und ich habe da noch viel aufzuarbeiten. Und trotzdem geht es mir besser und ich spüre wieder mehr. Weil es mir immer mehr egal wird was die Gesellschaft von mir will.

Weihnachten steht für Besinnlichkeit. In diesem Sinne besinnen wir uns, und vergessen wir doch mal was wir wollen sollen, und denken wir daran was wir wollen.

Türchen 16 (von Bernhard)

Weihnachtsevangelium

König Herodes war in einigen Belangen seiner Zeit voraus, in anderen wiederum weniger. Beispielsweise kann sein Umgang mit Kindern aus heutiger Sicht als problematisch eingestuft werden. Abgesehen davon war er aber auch bestrebt, sein Herrschaftsgebiet Judäa fit für das neue Jahrtausend zu machen. Dies äußerte sich beispielsweise darin, indem er die Bevölkerung statistisch erfassen ließ. Die Teilnahmebereitschaft an diesem ambitionierten Projekt ließ jedoch in weiten Teilen der Bevölkerung zu wünschen übrig, insbesondere in bildungsfernen Schichten. So wollten etwa einige mutmaßliche Staatsverweigerer, darunter auch das Ehepaar J. und M. v. N. (Name vom Autor anonymisiert) ihrer Auskunftspflicht entgehen, indem Sie kurz vor der Erhebung von ihrem Wohnsitz in Nazareth nach Betlehem flohen.

Abgesehen von ihrer verfassungsfeindlichen Gesinnung litt die hochschwangere M. v. N. unter schizophrenen Wahnwahrnehmungen. Einige Wochen zuvor hatte sie beispielsweise von der Erscheinung eines Menschen mit Flügeln berichtet. Die beiden versuchten in den Suburbs Betlehems unterzutauchen. Einige Vermieter durchschauten die Absichten des mittellosen Paares, in ihren leerstehenden Wohnungen als Mietnomaden Obdach zu finden und konnten dadurch ihrerseits finanziellen Schaden abwenden. Letztendlich kam das Paar in einem Gebäude eines Landwirtschaftsbetriebes im Umland Betlehems unter. Dort wurde ihr Neugeborenes unter widrigsten hygienischen Bedingungen und ohne adäquate fachmedizinische Betreuung zur Welt gebracht. Augenzeugen zufolge soll sich während der Entbindung sogar Nutzvieh in derselben Räumlichkeit befunden haben. Das Wohlergehen von Kind und Mutter ist schließlich mehreren Beschäftigten des Landwirtschaftsbetriebes zu verdanken, die diese umsorgten. Später erhielt die Jungfamilie auch Zuwendungen von sogenannten Sterndeutern, die im Zuge ihrer parawissenschaftlichen Forschungsreise zufällig an dem Gebäude halt gemacht hatten. Von diesen Zuwendungen, zu denen neben symbolischen Aufmerksamkeiten auch wertvolles Edelmetall zählte, konnte die Familie schließlich länger zehren.

Der spätere Werdegang des Sohnes J. erwies sich zunächst als vielversprechend, immerhin erlangte dieser einen Lehrabschluss. Später jedoch wandte er sich der Scharlatanerie zu und betätigte sich als sogenannter Wunderheiler. Erschwerend driftete auch er, wie bereits seine Eltern, in die Staatsverweigererszene ab und geriet dadurch mit dem Gesetz in Konflikt. Schließlich wurde er inhaftiert und rechtskräftig verurteilt. Nach seinerzeit üblicher Rechtspraxis war die Strafe durch den Tod nichts Außergewöhnliches und diese wurde auch umgehend vollstreckt, was wiederum zu jahrtausendelangen Unruhen in der Staatverweigererszene führte, für die der Exekutierte in der Folge so etwas wie ein Märtyrer darstellte.

Allerdings kann man König Herodes dieses Ausmaß an Eskalation nicht anlasten. Zum Einen nämlich war die Volkszählung gar nicht einmal seine Idee, sondern erfolgte auf Anordnung von Kaiser Augustus. Zum Anderen fällt die verabsäumte diversionelle Erledigung des Strafvollzugs an J. nicht mehr in seine Herrschaftszeit. Aus heutiger Sicht hätten eine sozialtherapeutische Vollbetreuung von Problemfamilien sowie eine Aufwertung der Lehre, sodass diese beispielsweise gar zum Studium an einer Universität berechtigt, ihr Übriges getan. Aber das konnte man damals ja nicht wissen.

Türchen 15 (von Mr. Ghostwriter)

Für eine bessere Welt. Was ist eine bessere Welt? Eine Welt in der Geld nicht die Hauptrolle spielt. Da es aber ohne nicht geht, eine Welt in der Niemand leiden muss deswegen. In einer besseren Welt sollte Nahrung nahrhaft und gesund sein, statt schädlich. Wasser sollte umsonst sein. Ärzte sollten einem helfen,  statt aus Patienten Kunden zu machen. Die Pharmaindustrie sollte Menschen helfen, sich dazu verpflichten in erster Linie, statt ein megamächtiger Großkonzern mit eigenen Interessen zu sein. Kinder sollten nach ihren Interessen und Stärken geformt, beurteilt und gefördert werden,statt in ein Schulsystem gepresst zu werden, das ihnen jegliche Freiheiten und Kreativität nimmt. Überall stehen die Politiker in der Pflicht, diese Dinge anzugehen, doch die denken auch nur an sich. Nahezu welches Thema ich mir jetzt rauspicke(bitte schützt endlich unsere Natur, unsere Tier- und Artenvielfalt, (bitte!), ich bitte drum!), es wird zu kritisieren sein. Nicht weil ich negativ oder spitzfindig drauf bin,weil es mir wirklich so vorkommt, das nicht viel, sondern alles anders werden muss. Kinder sollten die Werte, auf die es ankommt von Kindesbeinen an vermittelt bekommen.Nett sein,höflich sein,Niemanden verletzen,weder körperlich noch seelisch,Niemandem was tun,Niemandem was wegnehmen,Spaß daran haben in Bewegung zu sein,ohne damit überfordert zu werden,zielstrebig zu sein,die Dinge mit Freude zu erlernen,zur richtigen Zeit,die wichtig sind und auch neu sind. Das Zauberwort ist die richtige “Mischung” aus allem. Hast du dich ausgetobt? Ruh erstmal. Hast du zuviel gegessen? Sei satt erstmal. Warst du zu lang wach? Schlaf erstmal. Jegliche Probleme, auch Suchtprobleme,haben eine Lösung. Hast du psychische Probleme, musst du deinen Geist gesunden. Viel neuer positiver Input, viel Ablenkung könnte helfen. Geht deine Sucht zusätzlich Richtung körperlich, musst du deinen Körper und deinen Geist verändern,mit z.B. Sport, Fitness, Yoga, Saunabesuchen, etc. viel trinken, schwitzen, dich transformieren und somit die Prioritäten verändern. Die richtige “Mischung” macht’s, dass das Leben Spaß macht,verlier dich nie im übermäßigen Genuss oder Konsum,besinn dich stets darauf in’s Leben zurückzukommen und -zufinden. Ein Mensch ist zu mehr fähig, als er glauben mag. Sei virtuos, wisse, merke, mach dir deine Erkenntnisse bewusst, sei dir sicher in dem,was du tust, sei dir deiner Person sicher, so bist du überzeugend statt fragwürdig, sei bereichernd, statt belastend, sei energisch und eloquent, statt antriebslos, sei fröhlich statt frustriert,lerne früh genug,die Dinge in deinem Leben unter deine Kontrolle zu bringen, damit sie dir gut tun. Für eine bessere Welt, sei Jemand, den man gern um sich herum hat, mit dem man sich gerne identifiziert und steck damit alle um dich herum an, so dass das umhergeht und dir ein Lächeln, dir dein Lächeln immer wieder zurückbringt. Mehr kann man wohl nicht tun,auch wenn diese Welt einen dazu bringt nach REVOLUTION zu “schreien”. Sei eine gute Seele, sei gut darin, eine gute Seele zu sein. Das Leben verlangt im Prinzip nicht mehr von dir. #mrghostwriter

Türchen 14 (von Co)

Dieses Jahr ist es nun endlich so weit. Wie in Türchen Nr. 10, 2018 angekündigt, werde ich die Geschichte vom Weihnachtshasen erzählen. Wie jede gute Geschichte beginnt auch diese mit:

Once upon a time…

…Scherz… nein ich erzähle keine „Geschichte“ vom Weihnachtshasen, denn den gibt es ja wirklich!

Aber fangen wir doch von vorne an…

Natürlich ist es mir auch heuer wieder passiert – es gibt so viele spannende Themen, über die ich gerne schreiben würde und fast wäre ich versucht gewesen, auch heuer wieder abzuschweifen, aber nichts da (vor allem ist das aber auch Marcel zu verdanken, der meine Lieblings-Diskussionsthemen Politik und Religion mal von vornherein ausschließt), heuer geht es um den Hasen!

Religion auszuschließen finde ich etwas paradox, wenn es doch um einen Adventkalender geht, der die Tage bis Weihnachten zählt. Zugegebenermaßen, und das wird auch im Rahmen dieses Adventkalenders dankenswerterweise immer wieder deutlich, soll es aber vor allem (auch zu Weihnachten) um uns und unsere Liebsten gehen und in gewissem Sinne auch um die Zeit, die wir haben und die wir uns nehmen. Und genau so verstehe ich und vielleicht auch einige von euch Weihnachten, als eben genau das: Zeit die wir mit Menschen verbringen, die uns wichtig sind (..ich merke ich schweife schon wieder ab).

Um etwas Kontext zum Hasenthema zu bringen: Alle die mich, bzw. meine Wohnung nicht näher kennen, können sich jetzt so etwas wie ein Klischee einer „crazy cat lady“ vorstellen, aber auf Hasenfiguren und natürlich auf cool 🙂 ..Ich mag Hasen (und das ist eine absichtliche Untertreibung).

Punkt ist, die ewige Diskussion: „Weihnachtsmann“ oder „Christkind“ nervt (mich)! Ja wirklich. Sich über 2 fiktive Dinge zu streiten ist gerade zu absurd (und ja, hier kommt vielleicht doch etwas ein religiöser Aspekt hinein, quasi Christkind, Jesuskind, Bibel etc. – ist doch klar, da gäbe es ja nichts zu diskutieren – gibt es aber doch).

Das Christkind ist ein gelockter Engel, natürlich mit Flügeln, der Geschenke bringt. Ursprünglich wurde aber auch das Jesuskind als „Christkind“ bezeichnet, das aber nichts mit einem Geschenke-bringenden Engel zu tun hat. Ich will ja auch keinem/keiner Christkindanhänger*in zu nahe treten, aber so lange gibt es das „Christkind“ auch noch nicht.

Christkind-Fans finden natürlich den Weihnachtsmann, den Mann mit Bart, Mütze und Rentierschlitten, völlig absurd – und umgekehrt. Der Weihnachtsmann soll sich ja quasi aus dem Nikolaus und Knecht Ruprecht entwickelt haben und kommt in ähnlichen Versionen in vielen Ländern vor.
Sehr plausibel das alles…

Wenn ich allerdings vom (Weihnachts-)Hasen als Geschenkebringer spreche, wird das zumeist milde belächelt oder als völlig absurd abgestempelt. Aha, sehr interessant! Hasen gibt es tatsächlich, sie sind so gut wie jeder Zeit auf Feldern sichtbar (nur für mich meistens nicht – mir wird immer von tollen Hasen-Sichtungen berichtet. Wenn ich kurze Zeit später an besagten Feldern vorbeifahre, sind sie alle weg. Es wird gemunkelt sie haben Angst, eingepackt und mitgenommen zu werden 🙂 ). Nichtsdestotrotz, Hasen gibt es. Wir alle haben sie schon gesehen. Sie bringen zu Ostern die Eier und Geschenke. Warum sollte es also absurd sein, dass sie auch zu Weihnachten Geschenke bringen, das ist doch nur logisch und wirtschaftlich gesehen auch sehr effizient. Hasen wissen aus langjährigen Oster-Erfahrungen wie das mit den Geschenken funktioniert. Zu Weihnachten müssen sie ja nicht mal versteckt werden, nur unter den Baum gelegt. Das geht doch noch viel schneller. Hasen müssen auch nicht aus eigenem Antrieb oder mittels Rentierhilfe herumfliegen. Die schaffen das auch so.

Also Schluss mit den Christkind vs. Weihnachtsmann Diskussionen. Der Weihnachtshase macht das schon!

Türchen 13 (von Mariana)

Ich gebe meinem Text keinen bestimmten Oberbegriff. Es geht im Grunde genommen aber um das allgemein bekannte Thema oder besser gesagt, um die neue Entwicklung: Work-Life-Balance. Warum brauchen wir eigentlich Work-Life-Balance? Warum müssen die Menschen im Leben diesen Ausgleich suchen bzw. finden? Warum muss uns der jetzige Trend vorgeben “Hey Leute, es ist ganz wichtig euer Leben ausgeglichen zu führen, also die Arbeit und das private Leben in gute Balance zu bringen“. Denn wenn es nicht so ist, ist euer Leben plötzlich nicht unter Kontrolle, ihr seid „aus der Reihe“ und auf lange Sicht führt es bestimmt zu Krankheiten und die Psychologen bzw. Ärzte freuen sich“.
Warum muss es so sein? Warum muss es sogar an den Universitäten unterrichtet werden? Das sind nur wenige Fragen, die mich schon seit Jahren beschäftigen. Die heutige Gesellschaft braucht anscheinend den Anreiz, die Bücher, Videos, Seminare, um daran erinnert zu werden, dass die Priorität im Leben ganz anders ist. Aber was ist denn die Priorität in unserem Leben? Ach, da kommen wieder viele Antworten und Gedanken hoch! Eins bleibt aber übrig und zwar das, was mir in den letzten Jahren ganz bewusst das Wichtigste ist. Es ist die LIEBE. Wenn ich jede einzelne Kleinigkeit, Tätigkeit oder Aufgabe (was auch immer) in meinem Leben mit Liebe und vor allem geistig im „hier und jetzt“ tätige, führt es zu einer gewissen inneren Zufriedenheit und schlussendlich zum Frieden in der Seele. Das Gehetze nach einer Work-Life-Balance in der westlichen Welt, in dieser getriebenen Gesellschaft, ist letztlich eine Suche nach Liebe.

Ich wünsche euch frohe Weihnachtstage voller Liebe, Frieden in euch selbst und positiver, warmer Energie in eurem Umkreis.

Türchen 12 (von Gerhard)

Namaste und Griaßench!

Ich bin großer Fan von dem buddhistischen Grundsatz „Das Leben per se hat keinen Sinn!“ Wir brauchen ihn also nicht suchen, wenn es uns freut, können wir ihn aber suchen (kenne mich eigentlich nicht so genau aus mit Buddhismus, aber dies hat mir mal ein Buddhist mit begleiteten arttypischen Lächeln gesagt, somit glaubte ich ihm das mal). Warum diese fast esoterische Einleitung? Weil mein Beitrag euch in diesem entspannten Nichtsinn einbetten soll – er soll Schönes zeigen (Berge, Landschaften) ohne große dahinterstehende Botschaft.

Es ist also wieder eine Liebeserklärung an diese tektonische Plattenverschiebung die vor etwa 135 Millionen Jahren an der Wende von der Jura- zur Kreidezeit begann und nicht zu stoppen ist, folgt mir also auf meine 2019-Bewegungen auf jenen entstandenen Erhebungen und Niederungen in Europa!

Eure Aufgabe besteht wiederum rauszufinden, wo der jeweilige Fotograf (meistens ich) gestanden ist um den Moment festzuhalten (d.h. „Achensee“ ist eher nicht richtig). Wer mir also als Erster 7 richtige Standpunkte bei „Leave a comment“ reinschreibt, kann sich womöglich eine gute Animationsgrundlage für die Weihnachtsfeier sichern!

Wie es die Tradition verlangt, kann man einen Schnaps vom Sepp gewinnen und die Übergabe an den oder die Auserwählte(n) findet in der Statistik Austria am 19.12.19 um 13 Uhr statt.

Trashi Deleg!
Gerry

PS: Der zu gewinnende Schnaps hat schon so manchen Dasein, zumindest temporär, einen gewissen Sinn verliehen.

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Türchen 11 (von Richard)

Weihnachtsbaumversuche

Es
wird
ein Fest
geben, wie
jedes Jahr und
doch wird es anders
sein. Denn wir wollen
uns dieses Jahr besonders
bemühen lieb zu einander zu
sein. Weil wir nichts anderes haben
außer
wir
uns.

 

Was
soll man
schon so groß
feiern, nur Kitsch
und Essen und Getränke
und die vielen Begleiter-
scheinungen spätkapitalistischer
Eventkultur. Aber was der Sinn eines
solchen Festes ist, entscheiden dann doch
wir
und
nur
wir

 

OH
TANN
ENBAUM
OH TANNE
NBAUM WIE
GRUEN SIND D
EINE BLÄTTER D
U GRUENST NICHT
NUR ZUR SOMMERSZEIT
NEIN AUCH IM WINTER WE
NN ES SCHNEIT. OH TANNEN
BA
UM

Türchen 10 (von Olga)

Als ich gefragt wurde, ob ich etwas zum Weihnachtskalender beitragen wolle, musste ich nicht lange überlegen, was dieses Jahr sehr einschneidend für mich war und worüber ich schreiben würde.

Ich bin jetzt genau ein Jahr in meinem wohlverdienten Ruhestand und versuche jeden Tag, mal mehr mal weniger, zu genießen. Ich kann mich noch genau an meinen letzten Arbeitstag erinnern, wie groß war die Freude, es nach 46 Jahren Berufsleben endlich “geschafft” zu haben. Aber dann nach ein paar Wochen, wurde mir bewusst, dass es von nun an bis zum Ende meines Lebens für immer so sein würde. Zudem musste ich mit Wehmut feststellen, dass mein letzter Lebensabschnitt begonnen hat.

Kein Frage, ich hatte ein schönes vergangenes Jahr. Ich bin viel gereist und habe auch mehr Zeit mit meinen lieben Kindern und Enkeln verbringen können, was ich sehr genossen habe. Aber ich bin immer gerne zur Arbeit gegangen, vor allem weil meine Kolleginnen und ich immer viel Spaß miteinander hatten. Ich muss mir eingestehen, dass einem nach so vielen Arbeitsjahren auch etwas fehlt.

Aber ich denke und hoffe, dass sich das auch bei mir noch legen wird, so wie es bei vielen anderen Rentnern der Fall war. Ich freue mich jedenfalls schon auf das zweite Jahr und bin gespannt was mich erwarten wird. Ich hoffe und wünsche mir für die Zukunft noch viele gesunde Jahre mit meinem lieben Mann, meinen lieben Kindern und Enkeln gemeinsam genießen zu können.

Euch allen eine schöne Adventszeit und ruhige, stressfreie Weihnachten.

Türchen 9 (von Cosmo)

Parallel worlds

It is funny when I think about what happened on the 9th of December in the last 20 years.
In 2000 I got my first flat in Vienna. I just arrived and a new world opened up to me. A world full of new experiences, friends and definitively freedom.
In 2006 I came together my big love. I remember on that day I also decided not to go to London to pursue my career. It was the beginning of a new chapter: it was the first time I decided to stay in a place because of love .. the first time I put a relationship on top of my career.
9th December 2009: we signed the contract to buy our flat. Together. What a commitment. Well, half a year later, he left me. I lost 10kg in 2 months. He came back. We got back together.
Damn it!
9th December 2019: he is unsure, he needs space and time. I always gave him that. He admits it. So what’s that? Let’s face the truth .. it is about time to move ahead. It is not (only) that. We had great years, we are a great team but do we need more that that? I would have never questioned our relationship because even if we are not perfect, nobody is. A commitment is something important to me.
He does know it in theory but not in practice. It will be always like that: come together, love, sparks and then reality will succumb.
No need to mention it: I was teared apart. Again, it came from nowhere and it was very unexpected. It seems it just blows up every time.
I know, this is possibly my luck: tired to be his mate, his mom, his lover. In particular: to be his mom. How many times I wishes somebody I could lean on .. just sometimes.
Ain’t your Mama
I am a bit angry at myself because I kinda of knew it .. but I am stubborn.
Damn it!
Well now I will be strong, I will be vulnerable, I will be who I am. I will feel and I will allow myself to just be.
9th December 2020 .. where will I be? Life: I am ready for the next 9th December. I am going to face you again, no matter if I will be happy or sad. For sure, you will teach me something new and I will keep growing.
OK, deal! It is a date. See you next year.

Türchen 8 (von Sebastian)

Der Gemüsehändler

Ein herrlich sonniger Samstag offenbart sich mir als ich das Haus verlasse und lässt mich hoffen, dass wir unser Frühstück im Freien genießen werden können. Unterwegs im Neunundvierzger versuche ich zu rekonstruieren wann ich den Jakob zuletzt gesehen haben. Das Ergebnis liegt erschreckend weit in der Vergangenheit. In unser jahrzehntelangen Freundschaft hat es wohlgemerkt auch Phasen gegeben wo wir uns, ob der geographischen Distanz, noch viel seltener gesehen.
In jedem Fall freue ich mich gewaltig darauf ihn zu sehen, über seine Familie informiert zu werden und uns darüber auszutauschen was uns im Innersten beschäftigt.
Am Siebensternplatz steige ich aus und stelle erfreut fest, dass die Entscheidung im Freien zu sitzen bereits getroffen wurde und winke Jakob am äußersten Tisch zu.
Als wir gerade unsere zweite Melange in Empfang nehmen parkt ein Lieferwagen am Gehsteig neben uns. Obwohl der Lieferwagen frisches Obst und Gemüse ankündigt ist das erste was dem Wagen entspringt ein kleiner Bub mit Piratenhut bekleidet.
Sein Vater öffnet die Ladefläche und hebt die ersten Kisten Salate auf das Rollwagerl. Gemeinsam, wobei die tatsächliche Schiebeleistung natürlich nur vom Vater ausgeht, werden die Kisten in das Lokal befördert. Das leere Wagerl schiebt der Bub einige Minuten später dann ganz alleine zurück. Nach und nach wird der gesamte Inhalt des Lieferwagen auf die verschiedenen Lokale am Platz aufgeteilt. Einmal trägt der Bub unter größter Anstrengung eine einzelne Melone, dann wieder fährt er auf dem Wagerl mit und fühlt sich als Kapitän seines eigenen Piratenschiffes oder er darf den Inhalt der Kisten vorkosten.
In jedem Fall geschieht all dies mit enormen Enthusiasmus seitens des Sohnes und großer Geduld und Fürsorge des Vaters.
Nachdem der Lieferwagen geleert ist nehmen Vater und Sohn auf einer Parkbank Platz um vor der Weiterfahrt noch eine Mandarine zu teilen. Der Vater bedankt sich bei seinem Sohn für die Hilfe beim Ausladen, fährt ihm mit der Hand durch den Lockenkopf – der Piratenhut wurde für die Jause abgelegt – schließt die Augen und genießt die Sonne die ihm ins Gesicht scheint. Als Reaktion steht der Bub auf der Bank auf, umarmt seinen Vater und sagt ihm, dass er ihn lieb hat.
Für mich als heimlicher Beobachter ist dies ein wunderschöner Moment der mich sogleich zu Tränen rührt.
Selber sage ich gerne denjenigen die es betrifft, dass ich sie lieb habe und das nicht als Redewendung sondern als aufrichtige Zuneigungsbekundung.
Dem Jakob muss ich nun noch erklären was plötzlich in mich gefahren ist aber nach jahrzehntelanger Freundschaft kennt er mich gut genug, hat die Parkbank auch im Blickfeld gehabt und weiß was los ist.