Dieser Adventskalender ist ein schöner Ort, wo Menschen über Ihr vergangenes Jahr reflektieren und die eine oder andere Einsicht, Erkenntnis und (wir werden alle älter) Lebensweisheit teilen. Mir fällt dabei auf, dass ich, je älter ich werde, desto weniger weiß (also darüber, wie das gute Leben geht oder auch nur gehen könnte). Wenn ich etwas sagen müsste darüber, dann vielleicht noch am ehesten, dass für mich zu einem sinnvollen und guten Leben essentiell gehört, sinnlose (das heißt eigentlich: zweckfreie Dinge) zu tun. Und dass „Kunst“ (Musik miteingeschlossen) machen zu den schönsten zweckfreien Dingen gehört, wobei Kunst hier nicht von Können kommt, sondern einfach eine Möglichkeit darstellt, eigene Gedanken, Ideen und Gefühle auszudrücken.
Als Marcel mir schrieb, dass nur noch wenige Türchen zu haben seien und darunter dann gerade der 13. war, war das ein bisschen wie ein Zeichen, ein Projekt anzupacken, das mich schon eine Weile beschäftigt: das Lucia-Projekt. Was über Lucia gesagt und geschrieben wurde, die heute Namenstag hat, könnt Ihr im Internet nachlesen, damit mag ich Euch jetzt nicht langweilen. Was mich an der Lucia-Legende interessiert hat, war zum einen, dass sie ähnlich wie andere weibliche Heilige vor allem über Attribute wie Jungfräulichkeit und Reinheit beschrieben wird, und zum anderen, dass es sich beim Luciafest, das sich heute in Schweden so großer Beliebtheit erfreut, im Grunde um eine Erfindung oder doch zumindest eine Wiedererfindung eines Bauernhausmuseums zu Beginn des 20. Jahrhunderts handelt. Was uns erscheint wie Traditionspflege, ist somit eigentlich Traditionsbildung. Dabei trägt ein möglichst blondes, möglichst langhaariges Mädchen die Lucia-Krone. Und ich habe mich gefragt, was passiert, wenn es nicht blonde („reine“, „jungfräuliche“) Mädchen sind, die diese Krone tragen, sondern Männer verschiedenen Alters, verschiedenen Aussehens und verschiedener Statur. Was macht das mit all unseren Lucia-Assoziationen? Und mit unseren Bildern von Mannsein und Männlichkeit?





Ich hatte nicht gedacht, dass sich so kurzfristig doch einige Männer bereit erklären würden, hier mitzumachen, vielen Dank Gerhard, Bernhard, Stefan, Mathias und Florian. Und das Projekt ist nicht zu Ende. Männer, wenn Ihr mitmachen wollt, meldet Euch doch gerne bei mir!
