Weihnachtsmusik
Ich weiß ja nicht, wie Eure Weihnachtsplaylist so aussieht, meine war jahrelang eine eher unfreiwillige (wenn auch in vielen Fällen nicht unwillkommene). Ich habe gehört, was meine Eltern so in der Weihnachtszeit gehört und gespielt haben, ich habe mitmusiziert und mitgesungen, was andere ausgesucht hatten, und ich wurde mit dem beschallt, was auf Weihnachtsmärkten, in Geschäften und im Radio so gespielt wurde. Eine besondere Rolle hat aber immer das Bach’sche Weihnachtsoratorium gespielt (ihr wisst schon: Jauchzet, Frohlocket!), wobei es da ganz wichtig war, dass es nicht zu früh gehört wurde und später dann am besten ganz streng jede Kantate an dem Tag, für den sie geschrieben wurde. Dadurch, so hoffte ich, würde die Musik frisch bleiben, nicht ausgenudelt vom Nebenherhören. Aber – und ich hoffe, das lesen meine Eltern jetzt nicht – es hat nicht ganz geklappt.: das „WO“, wie es gerne genannt wird, hat zumindest einen Teil seines Zaubers verloren- zu oft gehört. Und so geht es mir mit manchen anderen Weihnachtsliedern auch, vor allem den englischsprachigen, die überall gespielt werden.
Wenn aber Beschränkung nicht hilft? Was hilft dann?
Letztes Jahr habe ich im Wintersemester eine Vorlesung gehört, die zu den besten Lehrveranstaltungen gehört, die ich je besucht habe: „Musik zu Weihnachten: Genres, Topoi und Aufführungskontexte zwischen ca. 1600 und 1900“. Tatsächlich haben wir weit vor 1600 begonnen und uns zuletzt auch mit den großen amerikanischen Weihnachtsliedklassikern des 20. Jahrhunderts beschäftigt (ich sag nur: White Christmas) und da hab ich nicht nur unheimlich viel über Weihnachten als Fest des Bürgertums des 19. Jahrhunderts gelernt, sondern meine Weihnachtsplaylist auch deutlich erweitert. Besonders liebgewonnen habe ich dabei französische Weihnachtsmusik, vor allem die Messe de la Minuit pour Noël von Charpentier, eine Komposition für die Mitternachtsmesse in der Nacht auf den 25., basierend auf Melodien damals beliebter auch weltlicherer Weihnachtslieder. Hier findet Ihr einen schönen Konzertmitschnitt (https://youtu.be/hFhoFZ1iRpA?si=-P4_vpbTSv9ipvJc) und das ist meine Lieblingsaufnahme (https://tidal.com/album/320528976) gemeinsam mit anderer Weihnachtsmusik von Charpentier und Zeitgenossen. Auch schön und für alle die es ein wenig romantischer mögen ist das Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns (https://www.youtube.com/watch?v=74AqvpeIMxw . Wer es so richtig spätromantisch bombastisch mag, dem/der sei Carl Loewes Festzeiten (https://www.youtube.com/watch?v=cKeeQHK3Vig) empfohlen.
Weihnachtsmusik muss aber nicht immer Text haben. Besonders beliebt waren ab dem Frühbarock sogenannte Pastoralen, Hirtenmusiken, die durch den typischen Rhythmus und die Verwendung von Holzblasinstrumenten gekennzeichnet sind. Am bekanntesten ist sicher der Pastorale-Satz aus Corellis Weihnachtskonzert (https://youtu.be/I8gl1TCz6a0?si=KXWLXbOrVApr0rZ4). Aber auch in vielen anderen Weihnachtsmusiken und Weihnachtsliedern finden sich Pastoralen, nicht zuletzt im Weihnachtsoratorium (Sinfonia, nein zum Weihnachtsoratorium kein Link 😉).
Weihnachtsmusik braucht aber nicht nur keinen Text, sie braucht nicht mal immer Musik. Cage hat sein berühmtes Stück 4:33 nicht für Weihnachten geschrieben, aber eine Gruppe von Musiker*innen hat es speziell für die Weihnachtscharts aufgenommen (https://www.theguardian.com/music/2010/dec/06/cage-against-machine-x-factor) – damit endlich mal ein paar Minuten Ruhe ist. Auch das kann ich empfehlen: Stille und leise Geräusche statt Weihnachtsmusik in Dauerschleife.
Und schließlich eine letzte Möglichkeit: Weihnachtsmusik selbst singen. Da fühlen sich für mich selbst die bekanntesten Lieder gut an. Und das geht sogar mit dem Weihnachtsoratorium (wie schon geschrieben, keine Links hier zum WO, aber sucht doch mal nach „Weihnachtsoratorium WG“ auf youtube), wäre ich noch im Studierendenalter würde ich schauen, ob ich bei so etwas mal dabei sein kann. Aber es müssen nicht immer die großen Werke sein, es tun auch einfache Lieder – zur Not auch mit Gemüse (https://www.instagram.com/p/DSA96WODMM0/)
Frohes Singen, Musizieren und ggf. Gemüseschnitzen!
