Ledige Mutter
beim begegnen blickt
eisig wer sie kennt
heuer ist für sie
etwas früh advent
nackt und pfeilgespickt
fährt sie dann das kind
ohne mann und ring
durch den schnatterpark
endlich macht sie sich
glatt wie boxhandschuh
und es nickt ihr zu
was erst starr geblickt hat
Ernst Jandl
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Dieses Gedicht berührt mich, weil ich sie gut kenne, diese Blicke im Schnatterpark. Ich kenne Scham und Schuld, ich habe Fehler gemacht, nicht nur einen. Es gab mehrere Situationen, in denen ich mich nicht in den Spiegel schauen wollte, in denen nicht einmal ich selbst meinem Blick standhielt.
Manche blickten auch nicht eisig, sondern einfach woanders hin. Es fühlte sich an, als würde ich unsichtbar werden und aufhören, zu existieren.
Es gab aber Momente, in denen mir verziehen wurde, einfach so, ohne dass ich irgendetwas außerordentliches dafür getan hätte, außer weiterzumachen und die Konsequenzen meines Handelns zu tragen.
Ich kann es mir nicht anders erklären, aber ich denke, dass schlicht das Gehen des harten Weges, das Leben meines selbstgewählten, streckenweise sehr einsamen Lebens, mich wieder aufgerichtet hat. Schlicht das Aushalten und hat mich Schritt für Schritt meine Würde zurückgewinnen lassen.
Mir wurde das Geschenk des Verzeihens zuteil, und es erscheint mir wie ein Weihnachtswunder, zum Beispiel, zu einem Weihnachtsessen der alten Schwiegerfamilie eingeladen zu werden oder hier zu diesem Blog eingeladen zu werden.
Dieses Geschenk ist ein Geschenk, man kann es nicht verdienen. Aber – und das weiß ich nun – um es annehmen zu können, brauchte es für mich das Zurückgewinnen meines Gesichtes vor mir selber, ein Prozess den mir niemand und nichts abnehmen konnte.
Die Metapher des Boxhandschuhs gefällt mir, denn das ist, was ich gewonnen habe: Glatt und geschmeidig sein zu können, fest und hart und weich zugleich, mich geschützt von meinem eigenen Erlebtem und furchtloser denn je dem Leben entgegen werfen zu können.
Ich wünsche euch allen so ein Weihnachtswunder und ein fröhliches Fest 🙂 Danke, dass ich spontan mitmachen durfte!
