Türchen 19 (von Janina)

Ich möchte euch heute eine Geschichte nacherzählen – die Geschichte vom Fischer und dem Geschäftsmann.
Es ist ein sonniger Tag, wir sind am Hafen einer kleinen Stadt am Atlantik. Ein Fischer sitzt am Pier, schaut aufs Meer eine Tasse dampfenden Kaffee in der Hand. Es ist 10 Uhr morgens. Er war schon auf dem Wasser und hat einen kleinen Fang gemacht. Genug, um seine Familie versorgen.
Zur gleichen Zeit steigt ein Geschäftsmann von seiner Yacht. Der Kragen seines rosa Polohemds ist aufgestellt, der Cashmere Pullover locker über den Schultern drapiert. Er geht auf seinem Weg zum Parkplatz an dem Fischer vorbei und bleibt stehen.
Na, schon einen großen Fang gemacht heute?
Ein paar schöne Makrelen, antwortet der Fischer und zeigt auf die kleine Kiste auf Eis, die neben ihm steht.
Da sind doch sicher noch mehr im Wasser, machst du Pause, bevor es gleich wieder raus geht?
Nein, ich bin fertig für heute.
Der Tag hat doch gerade erst angefangen, warum fährst du nicht länger raus, machst einen größeren Fang?
Warum sollte ich das tun?
Makrelen verkaufen sich doch gut. Du könntest dir bald ein größeres Boot kaufen, größere Netze. Thunfische könntest du fangen, die bringen mehr Geld.
Und dann?
Du könntest in wenigen Jahren eine große Flotte aufbauen, große Fänge machen, große Renditen einfahren.
Wozu?
Wenn das Business richtig gut läuft, verkaufst du es genießt das Leben und machst den ganzen Tag, worauf du Lust hast!
Aber genau das mache ich doch jetzt schon, antwortet der Fischer, richtet seinen Blick wieder auf das Meer und nimmt einen Schluck aus seiner dampfenden Tasse Kaffee.

Eine Erinnerung zur Weihnachtszeit, dass Schneller, Höher, Weiter nicht immer das Ziel sein muss und das Schöne im Leben manchmal viel näher ist als es oft scheint.

Für die Illustration der Geschichte danke ich meiner meiner Tochter Aenna Le Ray (7 Jahre)!

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