Türchen 8 (von Iris)

It’s December again, almost the year 2024 has ended and a new year will begin. December is every year the time when the daylight hours are few, the weather is mostly cold, or wet, or both, so there are not many outdoor activities. Instead I look for activities that I can do indoors. Usually getting rid of some clutter in my work room is part of this.

This year I was sorting out a pile of papers that came from a never opened box from moving over 10 years ago. The box itself had been moved around many times in those 10 years, but since we didn’t miss any of the contents it just sat there. And this year I decided to sort it out.

I found a nice letter from my dad with a text that he loved and wanted to share with me. My father died about 15 years ago. Yet after reading the letter I felt I was receiving a message from beyond the grave. The text is from the book ‘a Path with Heart’ by Jack Kornfield (1993). The text moved me and that’s why I want to share it here with all of you.

“There is a tribe in east Africa in which the art of true intimacy is fostered even before birth. In this tribe, the birth date of a child is not counted from the day of its physical birth nor even the day of conception, as in other village cultures. For this tribe the birth date comes the first time the child is a thought in its mother’s mind. Aware of her intention to conceive a child with a particular father, the mother then goes off to sit alone under a tree.

There she sits and listens until she can hear the song of the child that she hopes to conceive. Once she has heard it, she returns to her village and teaches it to the father so they can sing it together as they make love, inviting the child to join them. After the child is conceived, she sings it to the baby in her womb. Then she teaches it to the old women and midwives of the village, so that throughout the labor and at the miraculous moment of birth itself, the child is greeted with its song.

After the birth all the villagers learn the song of their new member and sing it to the child when it falls or hurts itself. It is sung in times of triumph, or in rituals and initiations. This song becomes a part of the marriage ceremony when the child is grown, and at the end of live, his or her loved ones will gather around the deathbed and sing this song for the last time. “

Türchen 7 (von Somi)

Glimmer ✨

Dieses Jahr habe ich durch ein zufälliges Instagram-Posting ein neues Konzept entdeckt: Glimmer!

Sie sind das Gegenteil von Trigger. Sie sollen das Nervensystem stimulieren und Momente der Ruhe, Entspannung und Freude bringen. Eigentlich ist das ja nichts Neues, doch der Begriff und die bewusste, tägliche Suche danach haben mich motiviert.
Glimmer können gute Gespräche, ein tolles Essen, ein kuscheliger Pullover sein – oder auch Eindrücke, die man beim Reisen oder bei seinen alltäglichen Wegen gewinnt.

Das Besondere am Reisen ist für mich, dass es immer wieder schöne Momente schenkt, die auch lange nach der Reise nachwirken.

Ein Bild, eine Erinnerung, ein Gefühl – all das kann einen Glimmer-Moment wieder lebendig machen, selbst wenn er längst vergangen ist. Einige dieser Erinnerungen möchte ich hier mit euch teilen.

Schönen Advent und immer viele Glimmer✨

Salzburg
Hasen an der Donau
Gänsehäufel
Hafen von Corfu
Padua
Kellergasse in Tschechien
Prater im Winter

Türchen 6 (von Bernhard)

Die Bemalung der Kühe

Der gegenwärtig vorliegende Text behandelt einen denkwürdigen Sachverhalt, der fortan untrennbar mit dem Weihnachtsfest verbunden sein wird. Akteur dieses Sachverhalts ist ein mittlerweile verstorbener, alleinstehender Mann mittleren Alters, der auch kaum Freunde hatte. Warum sich der Mann sozial so schwer tat, mochte wohl an seinen auffälligen Zwangsstörungen liegen. Am vordergründigsten war sein Zwang, Flecken zu reinigen. Wann immer er irgendwo einen Fleck bemerkte, auch wenn dieser sich auf fremdem Eigentum befand, kam er nicht umhin, diesen unbedingt wegputzen zu wollen. Und sofern sich dieser nicht entfernen ließ, konnte er nicht anders, als diesen übermalen zu wollen.

Eines Tages – es sei dazu gesagt, dass dieser Mann am Land lebte – kam er an einem Stall vorbei, blickte durch das Stallfenster und entdeckte im Inneren Fleckvieh. So eilte er schnell zum nächsten Farbenfachgeschäft und besorgte sich mehrere Eimer Lack und dazu einen großzügigen Pinsel. Er brach in den Stall ein und begann Rind um Rind vollständig mit seiner Farbe zu übermalen. Die Farbe bekam dem armen Vieh allerdings nicht gut und es verendete innerhalb weniger Stunden qualvoll. Damit aber nicht genug, denn die Erkenntnis, dass es landesweit viele Ställe gibt, in denen Kühe mit fleckigem Fell existieren, ließen den Mann von nun an nicht mehr ruhig schlafen. Er wurde zum Serientäter, stieg in viele Ställe ein und übermalte das dortige Rind, welches letztlich immer starb.

Schnell erlangte der Fall Berühmtheit, denn die Polizei begann immer großflächiger, wenn auch ohne jeden Erfolg, nach dem Kuhbemaler zu fahnden und so bekamen auch bald die Medien, insbesondere der Boulevard, Wind davon und es gab bald keine bunte Titelseite mehr, in der nicht mit neuen Superlativen von dem unbekannten Täter berichtet wurde, der massenweise Kühe mit seiner Farbe massakrierte. Irgendwann wurde auch die experimentelle Kunstszene auf den Fall des Kuhbemalers aufmerksam. Und während sich der gemeine Volkszorn immer ausufernder mit der Frage beschäftigte, welche brutale Lynchjustizmaßnahme wohl die geeignetste für diesen perversen Tierquäler wäre, begann die experimentelle Kunstszene Verständnis für den Mann zu entwickeln. Sie entdeckten in seinem Vorgehen einen stillen Protest gegen provinzielle Engstirnigkeit und gegen landwirtschaftliche Methoden. Also gab es schnell Nachahmer. In immer mehr Ställe brachen immer mehr experimentelle Kunstschaffende ein und übermalten immer mehr Kühe. Das Problem artete immer mehr aus, immer mehr Kühe erlagen der aufgetragenen Farbe. Nicht nur die Bauern traf dieses Phänomen hart, die gesamte Rindfleisch- und Milchprodukteinsdustrie erfuhr eklatante Einbußen aufgrund von Lieferschwierigkeiten. An den Aktienmärkten brachen die Kurse ein und in weiterer Folge schlitterte die gesamte Volkswirtschaft in eine Rezession.

Im Windschatten der dem Herdentrieb unterlegenen experimentellen Kunstszene, die allen Widrigkeiten zum Trotz weiter Kühe bemalte, ging auch der Initiator des besagten Unterfangens weiter seinen Übermalungsgelüsten nach. Er bewegte sich in so vielen Ställen wie kein anderer. In den Niederungen der darbenden Viehwirtschaft machten sich bald Tierkrankheiten breit, die sich auch auf Menschen übertragen können. Und so kam es, dass sich jener Mann mit einer Krankheit infizierte, die grobe Flecken auf der Haut verursacht. Es war gerade Weihnachten, als der Mann wieder in einen Viehzuchtbetrieb eingestiegen war und dort gerade zufällig Flecken auf seiner eigenen Haut entdeckte. Noch im Stall übermalte der Mann mit jener Farbe, mit der er eigentlich die Kühe bemalen wollte, seine gesamte Haut, vom Stirnansatz bis zu den Zehen. Die Farbe verklebte alle seine Poren und er verstarb noch bevor er den Stall verlassen konnte. Der Mann wurde schließlich am nächsten Morgen aufgefunden und als der initiale Kuhbemaler identifiziert. Sein Tod wurde vom gemeinen Volk frenetisch bejubelt, während die experimentelle Kunstszene nun endlich ein Gesicht und eine Namen zu jener Kunstform erfuhr, das diese nun schon seit Jahren fasziniert.

Die Umtriebe der kunstaffinen Kuhbemaler gingen ungehindert weiter, kaum ein Stall blieb verschont und je härter die Politik dagegen vorgehen wollte, desto populärer wurden Kuhbemalungen. Eines Tages aber wendete sich das Blatt zum Guten. Ein Forschungslabor entwickelte eine neue Farbe, die auf keinste Weise mehr die Gesundheit von Kühen beeinträchtigte, auch wenn sie noch so dick und flächendeckend auf ihr Fell aufgetragen wird. Auf dieser Grundlage wurde das Kuhbemalen schließlich legal. Kuhbemaler konnten von nun an ihrer Tätigkeit nachgehen, ohne dass deswegen Tiere sterben mussten. Die kommerzielle Rindwirtschaft erholte sich schnell, die dezimierten Viehbestände wuchsen wieder an und die Bauern, deren Existenz bis vor kurzem noch am Rande des Abgrundes stand, fanden neben der wiedererlangten Lebensgrundlage auch noch ein weiteres Geschäftsfeld. Sie konnten an Kunstschaffende Bemalungsflächen vermieten, selbstverständlich ist damit das Fell ihrer Kühe gemeint. Ein Angebot, das die experimentelle Kunstszene gerne nutzte. Neben der Landwirtschaft erblühte auch der Kunstmarkt. Für satte Erlöse wurden dort bemalte Kühe versteigert. Das bemalte Rind wurde ins Auktionshaus hereingeführt und von Kunstsammlern für Rekorderlöse erschwungen.

Und jedes Jahr zu Weihnachten wird jenem Mann gedacht, der diese wundervolle Möglichkeit, sich künstlerisch Ausdruck zu verschaffen, ins Leben gerufen hat. Tausende pilgern am 24. Dezember zu jenem nächtlichen Stall, in welchem sich der Kuhbemaler zu seiner letzten Bemalung begab. Die Geschichte des Kuhbemalers und seiner Gefolgschaft ist aus der Weihnachtszeit längst nicht mehr wegzudenken. Mögen die Zeiten auch noch so bewegt und schwierig sein, die Kunde vom Kuhbemaler, der unbeirrt seines Weges ging, spendet in der dunkelsten Zeit des Jahres allen Menschen heute noch Hoffnung.

Türchen 5 (von Christina)

Beneath the surface, silent and deep,
Where shadows linger and secrets sleep,
The inner demon stirs, takes shape,
A phantom forged from fear’s dark cape.

It whispers softly, sharp and cold,
Recounting tales of the lies we’re told,
“You are not enough,” it hisses clear,
A voice of doubt, a well of fear.

In mirrored pools of past regret,
Criticism strikes, we can’t forget.
Each wound, a scar, each scar, a chain,
Binding the soul to its silent pain.

Yet here within this shadowed land,
A chance awaits, a guiding hand.
To face the darkness, embrace the ache,
To see the monster as the soul’s remake.

For fear is but a fragile guise,
A mirror reflecting the truths it belies.
And demons fade when the light is shown,
Their power falters when they’re known.

So enter boldly, with courage strong,
The place where fears and truths belong.
For in the dark, the light is found,
And freedom blooms on shadowed ground.

Türchen 4 (von Andreas)

Lange Tage

Letztes Jahr zu dieser Zeit war es schon klar: mein Vater würde nicht mehr lange leben – Krebs im Endstadium. Entsprechend verhalten war auch die Erwartung an das Jahr 2024, das sich nun dem Ende zuneigt. Heute möchte ich diesen Ort hier nutzen, um auf diese Phase noch einmal zurückzublicken.

Als ich am 24. Dezember meine Eltern zum Abendessen besuchte, konnte mein Vater noch auf der Couch liegen und alleine mit dem Rollator zum Esstisch kommen. Rückblickend weiß ich gar nicht, wem ich den größeren Gefallen mit meinem Besuch getan hatte: ihm, meiner Mutter oder mir, aber für mich war klar, dass ich die freien Tage nutzen wollte, um so viel Zeit als möglich im Elternhaus zu verbringen.

Nachdem meine Mutter, fleißige Kirchgängerin, geplanter Weise dann zur Mette ging, war es meine Aufgabe, meinem Vater zu Helfen ins Bett zu kommen. Der Sohn bringt den Vater ins Bett! Das wirkt, zumindest beim ersten Mal, äusserst komisch und durchaus auch skurril. Statt Zähneputzen gibt es Katheter-Pflege. Statt zu schauen, dass das Kuscheltier eh im Bett in Reichweite ist, muss das Handy und Tablet in der Nähe sein. Da wird das Wasser am Nachtkastl glatt zur Generationen übergreifenden Konstante!

Es war natürlich für uns beide wesentlich ernster und dennoch, auch ein wenig versöhnlich: Hilfe zu geben und Hilfe in Anspruch zu nehmen, für durchaus auch unangenehme Arbeitsschritte, das war zumindest für uns beide eine neue Situation. Und ich glaube, wir haben das sehr gut gemacht.  

Eine Woche später, am 31. Dezember brauchte mein Vater bereits einen Rollstuhl. Ohne Hilfe konnte er nicht mehr von der Couch zum Esstisch kommen, ein Weg, den er ohnehin nicht mehr des Hungers wegen auf sich nahm. Für uns alle war klar: die Kräfte schwinden immer schneller. Gleich zu Neujahr bemühte sich meine Mutter daher um eine Pflegebett für daheim, welches dann Mitte der Woche bereit geliefert und aufgebaut wurde. Er würde es nur für sehr kurze Zeit in Anspruch nehmen.

Ende der Neujahrswoche, exakt 2 Wochen nach Weihnachten, war es dann soweit. Vorausgegangen waren schlechte Tage und Nächte, wo er kaum mehr ansprechbar und rundum pflegebedürftig war. Am Nachmittag veränderte sich dann auch die Atmung merkbar und auch die Haut veränderte ihre Farbe. Da wurde für uns die anwesend waren, also meiner Mutter, meiner Schwester und mir, immer mehr klar: das sind jetzt die letzten Stunden.

Hände halten, Mund befeuchten, Decke richten, gemeinsam am Bett reden – alles tun, damit ihm auch klar war, dass er nicht alleine ist. Dann, plötzlich, öffnete er die Augen. Er sah sich um als wollte er sicher gehen, dass eh alle noch da sind. Oder wollte er wissen, wer eigentlich alles da ist? Jedenfalls sah er jeden von uns noch einmal direkt an. Zuerst meine Mutter, dann Blick zu meine Schwester, schließlich zu mir auf der anderen Seite des Bettes. Eine letzte Verabschiedung. Kaum hatte er die Augen geschlossen wurde der Puls langsamer und schwächer. Wenige Minuten dauerte das nur. Dann schlug sein Herz den letzten Schlag.

Stille.

Meine Mutter verließ das Bett Richtung Terrasse. Kaum war sie draussen, lies sie los. Eine Jahrzehnte lange Ehe mit allen Hochs und Tiefs, ein Jahr lang leben mit Diagnose Krebs, wochenlang zusehen wie sich der Zustand verschlechtert, tagelang intensiv pflegen. Ein gemeinsames Leben mit so vielen schönen und weniger schönen Momenten. Alles zu Ende, alles aus, alles weg. Komm, lass es raus Mama!

Die Stunden danach vergingen sehr schnell. Nach den ersten Momenten des Realisierens und der Verarbeitung des gerade Geschehenen beginnt irgendwann, langsam aber stetig, die Informations-Kette in Gang gesetzt zu werden. Mein Bruder, der immer noch erst am Weg war, verständigen. Engste Verwandte, Partner, Freunde. Amtsärztin, Bestatter. Und jedes Mal kurze, aber intensive Telefonate.

All dieses Informieren und Organisieren lenkt natürlich auch ab. Immer wieder aber der Weg zum Krankenbett um doch noch einmal die Hand zu streicheln. Doch noch einmal sich selbst bewusst machen: er ist tot. Im Nachhinein bin ich auch dankbar, dass meine Kinder die Möglichkeit hatten und in Anspruch nahmen, ihn ein letztes Mal zu sehen. Meine Schwester hatte ihm in der Zwischenzeit ein Tuch umgewickelt, das den Mund geschlossen hielt. Das verlieh ihm ein babyhaftes Ansehen: das weiße Tuch mit Masche am Kopf, Mund und Augen fest zu als würde er den tiefsten Schlaf schlafen.

Richtig schwer wurde es dann wieder, als die Bestatter kamen. Zeug aus dem Weg räumen, Platz machen, der Sarg kommt! Kein grauer Tatort-Sarg, sondern ein weißer, schöner, innen mit Samt ausgestatteter, Sarg. Hineingehoben, ein Kreuz in die gefalteten Hände gesteckt. Letzte Blicke für alle. Dann zugemacht. Der Sarg wird rausgetragen und eingeladen in den Wagen. Meine Mutter immer einen Schritt dahinter. Dann die Türe zu. Schließlich fährt der Wagen davon. Dieses Wegfahren war für mich auch jener Augenblick, als mein Vater zum ersten Mal wirklich nicht mehr da war.

Die nächsten Tage, Wochen und Monate waren dann noch von viel Organisatorischem geprägt. Die Bank hatte das Konto schon am nächsten Tag gesperrt, kurz darauf schon die erste Meldung: Strom-Rechnung konnte nicht abgebucht werden. Nicht gerade jene Dinge, mit denen man sich in der Trauer-Phase beschäftigen möchte. Dann das Begräbnis: würde es eines mit militärischen Ehren werden? Es würde. Drei voll besetzte Reisebusse mit Soldaten, eine riesige Musik-Kapelle. Kein intimes Begräbnis, aber so hätte er es sich gewünscht.

Bald nun jährt sich sein Todestag zum ersten Mal. Zuvor noch ein erstes Weihnachten, ein erstes Silvester ohne ihn. Das bringt viele Emotionen wieder hervor, nicht zuletzt aber auch Dankbarkeit: es war genug Zeit für Verabschiedung. Er konnte sehr lange Zeit selbstbestimmt mit seiner Krankheit leben. Und er konnte bis zuletzt daheim sein. Sterben geht auch schlimmer.

Allen die bis hierher mitgelesen haben: Danke! Das Thema Tod ist leider ein sehr bedrückendes, das aber zum Glück nicht allzu oft Einzug in unseren Alltag erhält. Umso mehr wünsche ich euch daher schöne, festliche Tage mit allen euren Lieben. Nehmen wir uns die Zeit zu feiern, zu essen, zu leben und zu lieben – der Ernst des Lebens hat uns eh früh genug wieder.

Türchen 3 (von Karo)

In der diesjährigen Ausgabe von “Karos Food for Thoughts” geht es um:

Ankommen

Hektischer Alltag, viele Überstunden, keine Hobbies mehr und kaum noch Zeit für Freunde und
Familie? Hamsterrad? Alarmstufe rot?

Warum fühlt es sich für mich nicht an als käme ich irgendwo an? Gehe ich zu viele Umwege? Und werde ich jemals da ankommen, wo ich eigentlich hinwill? Wie kann ich diese innere Unruhe stillen?

Ich atme einmal feste durch.

Aus allen Blickwinkeln versucht mein analytischer Kopf dem Herzen zu helfen und dem Thema auf den Grund zu gehen. Auf der Suche nach Antworten lese ich Bücher, stöbere mich durch bekannte und unbekanntere Gedichte, höre Podcasts und kontaktiere alte Bekannte, gute Freunde und meine Familie. Ich führe lange tiefgründige Gespräche, weine und lache zusammen mit anderen Menschen, denen es so zu gehen scheint wie mir. Auf diesem Weg mache ich sogar einige neue Bekanntschaften!

Da wird mir klar wie schnell die Zeit vergeht und wie wichtig es ist sich Zeit zu nehmen. Zeit ist kostbar und gewinnt noch viel mehr Wert, wenn man sie mit besonderen Menschen teilt.

Ich stelle mir die folgenden Fragen:

Wem bin ich bisher auf meiner Lebensreise begegnet? Wer hat mich beeindruckt, wer inspiriert? Wer hat mich aufgezogen und erzogen? Wer hat mich besonders geprägt und wem würde ich ungern noch einmal begegnen? Wen vermisse ich so sehr, dass ich gerne die Zeit etwas zurück drehen würde? Nur noch einmal die Stimme hören oder eine feste Umarmung teilen? Wer begleitet mich noch immer und auf wen kann ich mich hundertprozentig verlassen? Genau diese Menschen habe ich in den vergangenen Wochen gesucht und auf verschiedene Arten Kontakt aufgenommen.

Je mehr meine Gedanken kreisen, desto klarer wird mir, dass zum Ankommen auch eine Reise gehört. Vielleicht ist es gar nicht so gut so verkopft auf ein Ziel zuzurennen oder auf das Ankommen zu warten? Denn der Weg IST ja bekanntlich das Ziel. Und der darf auch länger sein als gedacht!

Hiermit wünsche ich euch allen eine wunderschöne ruhige Weihnachtszeit. Kommt dankbar für alle Abenteuer dieses Jahres im Neuen Jahr an und nehmt euch Zeit.

Ankommen

Ankommen, ein Moment, so still,
Wo der Weg sich legt, wo alles ruht.
Die Reise endet, die Füße still,
Und Frieden füllt den inneren Mut.
Kein Weiter, kein Hasten mehr,
Der Horizont, er bliebt nun klar,
Die Zeit, sie fließt nicht mehr,
Das Ziel ist nah, das Ziel ist da.
Der Atem wird ruhiger, der Blick weit,
Ein Ort des Friedens, der das Herz beglitten.
Erfüllt von Licht und Heiterkeit,
Hält der Moment, was wir lange fanden.
Ankommen, das ist nicht das Ziel,
Sondern das Gefühl, das uns umfängt,
Ein Lächeln, das die Seele spielt,
Weil hier alles ist, was uns fehlt.

Türchen 2 (von Martina)

Bald ist es so weit, das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu. Viele Tage, Wochen, Monate gefüllt mit Erlebnissen, Hoffnungen, Träumen, Ängsten und Erwartungen wurden gelebt. Was hat dieses Jahr für mich gebracht? Es hatte es auf jeden Fall in sich. Es war ein Jahr der Freundschaften, die sich entwickeln konnten, ein Jahr der neuen Begegnungen, ganz besonders viele Gefühle konnte ich spüren. Viele Momente der Traurigkeit und Wut habe ich erlebt, genauso intensiv wie Momente des Glücks, der Liebe, der Geborgenheit und Abenteuerlust. Ich schaffe es nach und nach alte Ängste, Erlebnisse und enttäuschte Hoffnungen loszulassen und mich dadurch freier zu fühlen. Mir wurde erst heuer so richtig bewusst, welche Verletzungen ich mit mir herum trage, dass ich nicht nur zu meinem Umfeld, sondern auch für mich Mitgefühl zeigen möchte, dass auch ich es verdient habe glücklich zu sein. Das ist ein großer Schritt für mich, ich habe das Gefühl zu mir zu finden und Stück für Stück zu heilen. Besonders bereichert fühle ich mich durch einen ganz bestimmten Menschen, der mich sieht und annimmt, mehr als ich mich annehmen kann mit meinen Schwächen und Besonderheiten. Erst seit wenigen Monaten gehen wir gemeinsam durchs Leben, Seite an Seite, Hand in Hand und es fühlt sich an, als würde sich ein fehlendes Puzzlestück nun gefunden haben und es nun ein großes Ganzes gibt. Es fühlt sich wie heimkommen an, ankommen. Das ist es, wonach ich mich gesehnt habe, geliebt und gesehen zu werden.

Danke an den Mann an meiner Seite ❤️ &  Danke an das Jahr 2024, dass ich dich so intensiv leben durfte. Ich freue mich auf deine Nachfolgerin 2025 ❤

Türchen 1 (von Laurentius)

Liebe BlogsinnLeserInnen, 

ich freu mich über die Ehre den diesjährigen WeihnachtskalenderSinnblog zu eröffnen!

~ 1.12.24 ~

Ein schönes Datum! Ein Datum der Repetition und Verdopplung …Blicken wir nun (repetitiv) auf das Jahr zurück, blicken wir auf ein überfülltes, oder ein erfüllendes Jahr?Welche Erinnerungsbilder, -klänge, -gerüche oder Körperempfindungen kommen da?

Meine 99-jährige Oma sagte immer: „Ma’ lebt 2x – einmal richtig und einmal in der Erinnerung.

Drum hier nun ein paar mit unter gemeinsame Erinnerungs-Highlights des Jahres 2024:

Vor allem in Verbindung mit einem Teil der Leserschaft fällt mir als Erstes die vielen schönen Grillereien ein:

Szenen, wo wir leidenschaftlich Wickingerschach spielen … mit E-Kerzen tanzend dreidimensionale Lichtfiguren in die Nacht malen, während ein plötzlich integrierter Gasdrufi Feuer spuckt und wir anschließend in die kaiserlich mühlerisch malerischen Lichtspiegelungen schwimmen gehen.Oder wie wir versuchen dem Flug eines amerikanischen Gummiei’s Eleganz beizubringen und mit Socken und spontan entwickelten Regel dem zugehörigen Spiel die Brutalität nehmen.Und wie mein – das aller letzte Bier der größten Seriengriller Famiglia: la grande Famiglia Montague dal Barbecue, die zweite große Seriengriller Familia: la Capulets vorm jämmerlichen Verdursten bewahrt und somit die seit Shakespeare unmögliche Fusion der zwei Grillplatzjägerdynastien gelingt.

Ebenso unvergesslich bleibt mir, als ich „zufällig“ zu Marcs Geburtstag über die Postalm jodele und sofort von der nächstgelegenen Hütte, mit Speis und Trank bestochen, annektiert werde, noch bevor ich dem 40er-Jubilar hallo sagen konnte.Die wollen übrigens von 30.1.-1.2.’25 mit mir in Wien Jodeln lernen, falls wer dabei sein mag! – Ob hier ebenso eine Fusion gelingen kann bleibt spannend, wo in Deutschland zwischen machen Regionen fußballbedingt scheinbar das Nudelwasser heißer gekocht wird, als in „Italien“!
Aber noch viel spannender, war die Wanderung über den Labenberg und den großen Pitscherberg, die wir, in sich stets bewehrter Führung durch Gruppendynamik, in 3 Bedürfnisgruppen teilten, wobei die 3. sogar gerettet werden musste, bevor wir uns zum Jodeln versammelten.

Was ich an dieser Stelle gern mit Euch teile ist, dass Marc, der gerade das aller erste Mal im Leben jodelte, sich mit so ergreifend schönen Worten bedankte …

Liebe assozial-geile Freunde und Familie,
ich habe einen wunder, wunderschönes Geburtstagswochende mit euch verbringen dürfen. Das war echt so schön für mich, zu sehen und zu spüren welch tolle Menschen ich in meinem Leben habe. Werde mich noch lange an einen Moment am Lagerfeuer erinnern, wo ihr alle beisammen saßt, es kurz still war, und ich in eure Gesichter im Feuerglanz geblickt habe und echte Gefühle gefühlt habe
☺️
Danke dass ihr dabei wart! 💜💜💜
Ich glaube nur Musik vermag das auszudrücken, aber auch nur in ihrer höchsten und reinsten Form. Ich habe uns daher ein Gstanzl selbst gedichtet
:“

… und dann einen so getroffen bissigen Gstanzl-Jodler folgen ließ, dass so dann der tagelange Jahrhundertregen über uns hereinbrach, wie es mein ihm antwortender Kasamandl-Oneliner, der nun folgt, kausal in die Legenden eingehen ließ.
(Kasamandl-Sagen sind warnende Berggeschichten mit übernatürlich alten Sennerwesen und ein Oneliner, entlehnt aus der Bildenden Kunst, ist meiner Kreation nach ein Prosatext ohne Punkt.)

Ja, exzellent gut getroffen Dein Gstanzl !!!
Und davor die Einleitung mit echten Gefühlen in ihrer höchsten und reinsten Form und dann der böse Lacher und bissige Jodler❣️
Absolut asozial geil!!! Ein echtes Rumpelstilzchen!
👹

Dies ist nun die gebührende Weihe Deines neuen Lebensaltars! ⛈️
Nun lässet Gott höchst persönlich seinen ehrwürdigen Strahl auf Dich hernieder und spricht mit Donnergrollen und Sturmgetöse den Segensspruch für ein böswitzig gstanzlkerniges Herz, das einen Reifungsprozess von 40 langen Jahren in sich trägt, gleich einem hochalpinen Kasamandl, dem die Verkäsung Schimmelfurchen in allen Farben der Hölle durch Marc und Bein gefressen hat – tief wie Gletscherspalten und weit wie die von Entsetzen aufgerissenen Mäuler, zu Tode erschrockener Touristen, die in eben solch einem grausamen Wetterumschwung auf der Post Alm einen bitter erflehten Notschlafplatz suchten, doch im fahlen Schein des lockenden Feuers allein den teuflisch lachenden Marc vorfanden, der mit Grimm sprang und tanzte, während seine fiesen Verse durch die gefletschten Zähne und Hohn verzerrte Lippen drangen, so dass nicht einmal der Wackerste diesem Gräuel gewachsen war und all die verängstigten Wanderer, die Grauen ergriffen in die Dunkelheit des tobenden Orkans davon flüchteten und ihren sicheren Tod im feuchten Grund der PostGeburtstagsAlm fanden …
So erzählt es warnend die Legende und wenn der Satz nicht geendet hat, dann treibt er auch heute noch sein Unwesen!

Nun aber, mit dem Advent kommen all die wilden Geschichten hoffentlich zu Ruhe und wir finden uns in ein besinnliches Miteinander ein, samt Gesängen und Heimeligkeit, während hoffentlich draußen bald wieder sanft der Schnee fällt.
Denn wo seinerzeit das Leben draußen in Eis und Schnee zum Stillstand kam, fanden wir stets ausreichend Zeit in der regenerativen Ruhe und Jahresrückschau Erinnerungen zu pflegen.
So wie wir aus der Reflexion über das Vergangene und in freudiger Erwartung auf die Rückkehr des Lichts, schöne Visionen für ein noch feineres nächstes Jahr fürsorglich in uns hegen konnten.
Dazu hab ich eine Aufnahme von einem 1. Adventsonntagstreffen genau vor 4 Jahren gefunden:

Von 12.-16.12.’24 lädt übrigens der Verein Arboretum Villa Kraus (die mich seit 2 Jahren für einen mittwöchentlichen Semesterjodelkurs buchen) zu FamilienSchneeTagen in Rauris, wo ich mich freu, wenn wer von Euch mitkommt!
Neben Schneetollen, Piste, Langlaufen und Stubengaudi, hoff ich auf möglichst viele Skitouren, wie die Folgende!

Einen wunderschönen 1. Adventsonntag Euch und eine besinnliche Zeit!

LG Laurentius

Türchen 24 (von Marcel)

Auf der Suche nach der romantischen Liebe

Bald drei Jahre ist es jetzt her, seit meine langjährige Beziehung beendet und ich in den Topf der Singles zurückgeworfen wurde.

Zuhauf geschenkt bekomme ich, seit ich wieder „auf dem Markt“ bin (auch eine interessante Redewendung), mitleidige Blicke und Worte.

„Wie sieht’s aus?“ oder „Was gibt es neues?“ werde ich regelmäßig gefragt, ob denn nicht die nächste Herzensdame vor der Tür steht.
„Geht es dir gut?” (im Kontext)
„Bist du auch nicht allein?“
„Du wirst schon wieder jemanden finden!“

Gut gemeint (ich weiß!) ist nicht immer gut.

Ja, es geht mir gut! Die Rechtfertigung und der Zweifel, dass es mir auch als Single gut gehen kann, nervt mitunter. Es geht mir grundsätzlich so gut wie noch nie in meinem Leben, mit den normalen Höhen und Tiefen, egal welchen Beziehungsstatus wir haben.

Aber die Gesellschaft hat eine eindeutige Sicht auf die Sache.
Wir sind die Gescheiterten, Suchenden, Übriggebliebenen, Ungeliebten, Verkorksten, Unverkuppelbaren, Kaputten, Zubemitleidenden, einfach der Rest.
Für die Gesellschaft gibt es zwei Zeitrechnungen, die in einer romantischen Beziehung und die ohne romantische Beziehung.

Je länger die erste wird, desto größer wird die Anerkennung.
Je länger die zweite wird, desto größer wird das Beileid, das Unverständnis und irgendwann sogar die Ablehnung.

Wikipedia schreibt über den Single folgendes:
„Als Alleinstehender oder umgangssprachlich auch Alleinlebender oder – als Anglizismus – Single wird eine erwachsene Person bezeichnet, die ohne feste soziale Bindung an eine Partnerin oder einen Partner sowie ohne minderjährige Kinder im Haushalt lebt. Nach dieser Definition sind Alleinerziehende keine Singles. „Alleinstehender“ ist ein statistischer Begriff für Einpersonen-Haushalte, das Attribut „ledig“ eine amtliche Bezeichnung für Personen, die nie verheiratet waren, und „Junggeselle“ eine umgangssprachliche Bezeichnung für denselben Sachverhalt.“

Eigentlich bin ich also ein Alleinerziehender. Ein immer noch offizieller, aber wirklich altertümlicher Begriff, welcher das „gemeinsam Erziehen und getrennt Leben“ überhaupt nicht mit einbezieht. Zudem definiere ich meinen Status nicht über die Erziehung und nicht über meinen Haushalt.

Eine Frage, welche ich mir aber natürlich auch selber stelle, ist, möchte ich Single (ich bleib jetzt bei dem Begriff) bleiben?

Also eindeutig für mich ist, dass ich wieder eine romantische Liebe in meinem Leben haben möchte. Ich vermisse regelmäßige echte Intimität mit einer Partnerin, mit der ich vieles teilen kann und bei der ich mich völlig fallen lassen kann. Ich vermisse auch dieses „Schatz, ich bin zu Hause“-Gefühl, wenn man sich nach einem langen Tag begrüßt, in die Augen schaut und weiß oder besser spürt, jetzt bin ich zu Hause. Freundschaften können bei mir ein ähnliches Gefühl des Ankommens erzeugen und einige Teile übernehmen. Eine freundschaftliche Beziehung ist nicht weniger wert und als Konstante in mancher Hinsicht wahrscheinlich sogar noch wichtiger. Wenn ich Freunde sehe, strahlen meine Augen auch, aber diesem zu Hause Moment wohnt etwas besonderes inne. Ihr kennt ihn bestimmt alle.
Sidefact: Vielleicht ist es auch ein wichtiger Hinweis, wenn er auf einmal in einer Beziehung fehlt.

Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich nochmal mit jemanden Zusammenleben möchte. Fast 15 Jahre gemeinsam unter einem Dach zu wohnen, war wirklich schön. Es war heimelig. Es war aber auch anstrengend. Die Zeit war sehr intensiv. Ich spüre jetzt, dass alleine leben auch große Vorteile hat. Es gibt Raum, um zur Ruhe zu kommen und die eigenen Bedürfnisse zu achten. Ich kann zu jedem Zeitpunkt machen, was ich will und muss mich nie rechtfertigen. Nur gegenüber mir. Asozial geil. Alleine leben hat für mich schon lange den Schrecken verloren, welcher er am Anfang hatte. Da steckt eine große Kraft drin, weil ich nie wieder in meinem Leben Angst davor haben muss.

Aber manchmal fühle ich mich alleine und einsam. In diesen Momenten hat das Alleine leben etwas melancholisches. Dann sehne ich mich nach den Kindern oder einem anderen Menschen und spüre die Ruhe als Abwesenheit von Leben. Jedoch habe ich mich in meiner Beziehung oft viel einsamer gefühlt. Man kann auch zu zweit einsam sein, das hat nichts mit dem Beziehungsstatus zu tun. Und alleine leben bedeutet nicht, alleine sein.

Aber gegen das Singledasein habe trotzdem schon einiges versucht. Eigentlich mach ich mir überhaupt keinen Druck, weil ich einfach keinen habe! Und doch schwingt er immer so bisschen mit. Warum ist das so…? Von außen, sozialisiert, weil ich mich insgeheim belüge, intrinsisch, biologisch… ich habe (noch) keine Antwort darauf. Mittlerweile war ich jedenfalls schon auf Tinder, Okcupid und Bumble angemeldet. Ich habe an Speeddating, Slowdating und einigen Veranstaltungen mit latentem Datingcharakter teilgenommen. Ich habe mit sehr vielen Menschen gechattet und mich mit vielen Menschen getroffen. Wir haben zusammen Spaß gehabt und gelacht, wir haben Geschichten ausgetauscht und gemeinsam geweint. Wir waren verknallt und haben uns wieder verlassen, sind gegangen. Ich habe versetzt und verletzt. Ich wurde versetzt und verletzt.

Freundschaften sind geblieben. Und doch würde Flüchtigkeit die Beziehungen dieser Zeit am besten beschreiben. Das gefällt mir nicht, obwohl die Erfahrungen und Geschichten einen immer weiter wachsen lassen.

„Liebe, als wäre dein Herz nie gebrochen“ steht bei mir zu Hause auf einem Poster. Ich habe es im Baumarkt gesehen, irgendein 08/15 Spruch und doch hat er mich vor ca. einem halben Jahr so tief berührt, dass ich in Tränen ausgebrochen bin und das Poster kaufen musste. Nie zuvor habe ich die Kontrolle über mein Leben so verloren und war so verloren, wie nach meiner Trennung. Und obwohl ich nun standhafter und verwurzelter auf dem Boden stehe und glücklicher bin, als jemals zuvor, ist diese Geschichte und diese massive Verletzung nun ein Teil von mir.

Deshalb frage ich mich manchmal, kann ich mich überhaupt noch so richtig Hals-über-Kopf verlieben? Diese Verliebtheit, die einfach darauf los reitet, ohne Gedanken und Fragen. Erinnert ihr euch an das Gefühl? Es ist gleichzeitig beängstigend und unglaublich schön. Ich beneide und bedauere die jungen bzw. anderen Menschen dafür. Ich sehne mich danach und bin doch froh, nicht mehr diesen Kontrollverlust erleiden und so fremdbestimmt sein zu müssen. In der Mitte zu sein, bedeutet eben auch, die Extreme zu verringern. Das ist prinzipiell gut, aber hindert es mich auch wieder in ein positives Chaos zu stürzen? Sofern ich das überhaupt will.

Jedenfalls habe ich schon Menschen verlassen und wurde verlassen, weil ich meiner Partnerin dieses Gefühl nicht geben konnte, mich völlig auf sie einlassen zu können. Und dann frage ich mich, konnte ich es nicht zulassen oder war es einfach nicht da. Hat es auch mit meiner Verletzung zu tun oder einfach mit meiner Erfahrung und meinem Wissen, was ich möchte?

Man/Frau kann nichts erzwingen, das ist klar, aber woher weiß ich den Unterschied zwischen erzwingen und erlauben? Ein Balanceakt aus Kontrolle und Vertrauen.

Es ist ein großer Wunsch von mir, mich einem Menschen wieder völlig anvertrauen und schutzlos zeigen zu können. Ich möchte mich wieder Einlassen, Zulassen und Loslassen. Ich möchte eine Partnerin in meinem Leben haben, die mich nicht nur so nimmt, wie ich bin, sondern mich dafür feiert. Und gleiches möchte auch ich tun.

Und vielleicht ist die Liebe jetzt einfach anders. Sie kommt weniger über diese überwältigende Verliebtheit, sondern über ein echtes Kennenlernen und Vertrauen. Am Ende ist sie aber vielleicht sogar organischer und tiefer.

Nach dem desaströsen Zerfall bis auf die Grundmauern habe ich nach und nach mein Haus wieder hergerichtet. Ich habe sehr viel Arbeit und Liebe hineingesteckt. Das Haus ist sehr schön geworden und ich fühle mich sehr wohl darin. Ich habe die Zimmer für mich, für meine Kinder und meine Freunde eingerichtet, sie sind hell, gemütlich und abwechslungsreich geworden. Ich verweile gerne in ihnen. Ein großes Zimmer steht aber noch leer, die Tür ist meistens geschlossen, weil ich den Raum nicht täglich sehen und immer daran erinnert werden möchte. Manchmal öffne ich die Tür einen Spaltbreit und schaue hinein, oft überkommt mich dann ein Gefühl der Wehmut. Gleichzeitig stelle ich mir aber auch vor, wie es sein wird, wenn dieses Zimmer eingerichtet ist. Und obwohl ich keine Ahnung habe, wie es aussehen wird, bin ich mir sicher, es wird meine kühnsten Vorstellungen übertreffen, weil es nicht von mir eingerichtet wird.

Für das neue Jahr wünsche ich mir zu „Lieben, als wäre mein Herz nie gebrochen“.

Euch alle!

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Und damit war es das schon wieder. Auf Wiedersehen Blogsinn Adventskalender 2023. Danke an alle Türchen für eure wunderbaren Beiträge. Es bedeutet mir so unglaublich viel, von euch dieses Vertrauen zu bekommen, dass ihr euch hier so offen und ehrlich zeigt. Ich finde wirklich, dass wir hier was besonderes schaffen. Klein, aber bewegend und verändernd. Danke natürlich auch an alle Leser:innen, ich hoffe, es hat euch genauso berührt. Frohe Festtage und ein erfüllendes Jahr 2024.

Türchen 23 (von Laurentius)

Samstag 23.12.23

Was für ein schönes Datum der Tag vor dem großen Sonnentag diesmal nicht hat.
Der Tag vor dem Ziel der Adventszeit, wo wir die Rückkehr des Lichts feiern – und das mit möglichst vielen analogen Symbolen: Kunstvolle Beleuchtung auf den Straßen, Licht in den Stuben, Kerzenschein auf den Bäumen, Strahlen in den Herzen, Fülle auch beim Schenken und auf den sich feierlich biegenden Tischen …

Wir feiern diesen Moment der Sonnwende so groß, weil es ohne Licht am Himmel und in den Herzen kein Leben gäbe und der Mensch einst wohl nur überlebte, wenn er kooperierte, seine knapp werdende Ernte des vergangenen Sommers teilte und sich kuschelig gegenseitig wärmte, wie es viele Tiere heut noch tun, wie Pinguine zum Beispiel, Bienen, Marienkäfer und so manches Mäuslein…

An Orten des überfließenden Wohlstandes, wo man das ganze Jahr rund um die Uhr so viel Licht, Wärme und Nahrung haben kann, wie man nur möchte, ist die Vorweihnachtszeit aber oft nur deswegen so dunkel, weil man sich im gewohnten Getriebe keine Pause zu gönnen schafft und zudem auch noch ganz viel für das Fest vorbereiten, einkaufen und einpacken sollte, bis so mancher Tag zur Nacht wird und so manches Herz nicht mehr schafft zu strahlen.

Bei uns zuhause gab es jedes Jahr direkt vor Heiligabend einen Riesenstreit, weil es meiner Mutter alles zu viel wurde, was sie sich für dieses Fest, scheinbar uns Kindern zu Liebe, alles vorstellte.
Oft fragte ich, ob wir nicht auch mal ohne Christbaummord, Geschenkewahnsinn, Hausputzstress und Küchenkollaps, einfach nur mit Kerzen, Thermoskannen und Kletzenbrot zu einem erlesenen Platzerl in der Natur pilgern könnten, um dort zu feiern, wie Josef und Maria es taten?
Niemals wurde diese Bitte in meiner Familie erhört. Immer gab es eine Eskalation direkt bevor wir das Fest der Liebe in Frieden, mit offen strahlenden Herzen feiern sollten, für das wir uns bemüht besinnlich, um einen sterbenden Tannenbaum sammelten, der im Verhältnis zu seiner natürlichen Lebenserwartung gerade einmal so jung war, wie das frisch geborene Jesuskind in der Krippe.

“Oh Tannenbaum II” (Ursprung unbekannt, Arrangement & halber Text v. Laurentius Rainer 2018, 2. Stimme Simone Singh-Sondhi)

Egal wie dunkel und kalt die Nacht – der Morgenstern kündigt bereits an den neuen Tag, die Mondsichel trägt in Ihrem Schoß bereits den Spross neuen Lichts und ihr gottesmütterlicher Umhang breitet sich schützend wie das Himmelszelt über alles Leben dieses Erdenrunds.

23.12.23
Vielleicht dieses Jahr zu mindestens heute nichts mehr erledigen müssen, nur noch sein Herz bereit machen für die Ankunft des Lichts – die Ankunft jedes Herzenslichts all der Perlen, die uns zu wertvollen Zeitgenossen geworden sind, oder es noch werden könnte.
Heute nur kuscheln und teilen was bereits ist – die Stille genießen und staunen.

Geweiht sei diese Nacht und gesegnet all Ihr Lieben!