Türchen 14 (von Christina)

Ledige Mutter

beim begegnen blickt
eisig wer sie kennt
heuer ist für sie
etwas früh advent

nackt und pfeilgespickt
fährt sie dann das kind
ohne mann und ring
durch den schnatterpark

endlich macht sie sich
glatt wie boxhandschuh
und es nickt ihr zu
was erst starr geblickt hat

Ernst Jandl

————–

Dieses Gedicht berührt mich, weil ich sie gut kenne, diese Blicke im Schnatterpark. Ich kenne Scham und Schuld, ich habe Fehler gemacht, nicht nur einen. Es gab mehrere Situationen, in denen ich mich nicht in den Spiegel schauen wollte, in denen nicht einmal ich selbst meinem Blick standhielt.
Manche blickten auch nicht eisig, sondern einfach woanders hin. Es fühlte sich an, als würde ich unsichtbar werden und aufhören, zu existieren.

Es gab aber Momente, in denen mir verziehen wurde, einfach so, ohne dass ich irgendetwas außerordentliches dafür getan hätte, außer weiterzumachen und die Konsequenzen meines Handelns zu tragen.
Ich kann es mir nicht anders erklären, aber ich denke, dass schlicht das Gehen des harten Weges, das Leben meines selbstgewählten, streckenweise sehr einsamen Lebens, mich wieder aufgerichtet hat. Schlicht das Aushalten und hat mich Schritt für Schritt meine Würde zurückgewinnen lassen.

Mir wurde das Geschenk des Verzeihens zuteil, und es erscheint mir wie ein Weihnachtswunder, zum Beispiel, zu einem Weihnachtsessen der alten Schwiegerfamilie eingeladen zu werden oder hier zu diesem Blog eingeladen zu werden.

Dieses Geschenk ist ein Geschenk, man kann es nicht verdienen. Aber – und das weiß ich nun – um es annehmen zu können, brauchte es für mich das Zurückgewinnen meines Gesichtes vor mir selber, ein Prozess den mir niemand und nichts abnehmen konnte.

Die Metapher des Boxhandschuhs gefällt mir, denn das ist, was ich gewonnen habe: Glatt und geschmeidig sein zu können, fest und hart und weich zugleich, mich geschützt von meinem eigenen Erlebtem und furchtloser denn je dem Leben entgegen werfen zu können.

Ich wünsche euch allen so ein Weihnachtswunder und ein fröhliches Fest 🙂 Danke, dass ich spontan mitmachen durfte!

Türchen 13 (von Daniel)

Das Leben lässt sich kühl und nüchtern als Geflecht physikalischer Prozesse verstehen, und gerade daraus kann sich eine sehr intime, fühlende Bedeutung ergeben. Alles beginnt mit Materie, Atome bilden Moleküle, Moleküle organisieren sich zu Zellen, Zellen zu Organismen. In dieser Perspektive gibt es keine eingebauten Ziele, keine kosmische Aufgabe, keine Garantie auf Sinn. Es gibt nur Abläufe, die geschehen, weil sie den Naturgesetzen folgen. 

Verlängert man die Zeitleiste, werden viele Dinge, die im Alltag übergroß wirken, relativ. Karrieren, Erfolge, Titel, Prestige, sind gebunden an kurze Zeitfenster, an bestimmte Kulturen, an einzelne Generationen. Auf der Skala von Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden verschwimmen diese Errungenschaften zu kaum noch erkennbaren Mustern. Was als großer Erfolg erlebt wird, ist eine kurzfristige Struktur in einem Meer aus Wandel. Von außen betrachtet, sind Ziele eher Zwischenformen im Fluss der Prozesse, als ewige Markierungen. 

Gerade diese radikale Vergänglichkeit öffnet den Blick auf etwas anderes, nicht das, was bleibt, ist entscheidend, sondern das, was sich im Moment anfühlt. Wenn sich neuronale Aktivität in Empfindung verwandelt, wird aus bloßer Materie gelebte Subjektivität. Aus Signalen werden Traurigkeit, Erleichterung, Stolz, Scham, Zuneigung. Das, was Ich genannt wird, ist eine Konfiguration von Materie, die beginnt, den eigenen Zustand zu erleben. In dieser Sicht ist Leben der Augenblick, in dem das Universum durch ein fühlendes Wesen in sich hineinlauscht. 

Viele philosophische Traditionen würden dieser Deutung widersprechen, oder sie zumindest ergänzen. Der klassische Existenzialismus betont, dass die Welt an sich sinnlos ist, der Mensch aber Freiheit hat, eigenen Sinn zu schaffen. In dieser Perspektive reicht es nicht, das Leben nur als Empfindung zu nehmen, Sinn entsteht, indem ein Mensch Position bezieht, entscheidet, Verantwortung übernimmt, und damit eine Art inneren Kompass aufbaut. Das Fühlen ist dann nicht das Ziel, sondern der Rohstoff, aus dem eine selbstgewählte Lebensrichtung geformt wird. 

Religiöse oder metaphysische Ansätze gehen noch weiter. In vielen religiösen Traditionen ist der Sinn des Lebens nicht im Erleben selbst verankert, sondern in einer Beziehung zu etwas Transzendentem, zu Gott, zu einer höheren Ordnung, zu einem jenseitigen Ziel. Das irdische Leben erscheint als Durchgang, als Prüfung oder Vorbereitung. Emotionen und Erfahrungen sind wichtig, aber sie sind Mittel, um einem übergeordneten Plan näher zu kommen. In dieser Sicht wäre es unzureichend zu sagen, das Universum spürt sich nur selbst, es gäbe eine Absicht, in die das Einzelleben eingebettet ist. 

Teleologische Philosophien sehen Sinn häufig in Entwicklung und Vervollkommnung. Nach diesem Verständnis erfüllt sich das Leben darin, Fähigkeiten auszubilden, Tugenden zu entwickeln, oder an einer besseren Welt mitzuwirken. Emotionen fungieren als eine Art inneres Echo, Freude als Signal für gelingendes Leben, Leid als Hinweis auf Defizite oder Fehlentwicklungen. Das Ziel liegt nicht in der bloßen Intensität des Erlebens, sondern in einer bestimmten Qualität und Richtung des Daseins. 

All diese Sichtweisen haben eine starke innere Logik, und zugleich setzen sie etwas voraus, das sich nicht beweisen lässt, eine Pflicht zur Selbsterschaffung, einen göttlichen Plan, oder ein objektiv besseres Ziel. Bleibt man konsequent bei einer naturalistischen Linie, werden diese Annahmen zu Möglichkeiten, aber nicht zu Notwendigkeiten. Sicher sagen lässt sich dann vor allem eines, es gibt Materie, es gibt Prozesse, und es gibt Bewusstsein, das diese Prozesse erlebt. 

In dieser Rückkehr zur ursprünglichen Idee wird Sinn nicht von außen verliehen, sondern ergibt sich aus der Tatsache des Erlebens selbst. Das Universum braucht keine Ziele, um zu existieren, aber in dir erlebt es Freude, Angst, Verbundenheit, Einsamkeit, Neugier. Ziele können weiterhin wichtig sein, als Struktur für das eigene Leben, als Anlass für Wachstum und Wandel. Ihr Wert liegt jedoch weniger in ihrer Dauer, als in der Tiefe des Gefühls, das sie ermöglichen. 

So gesehen ist das Leben nicht in erster Linie ein Projekt, das etwas Dauerhaftes hinterlassen muss, sondern ein Raum, in dem Wirklichkeit sich von innen her spürt. Die Höhen und Tiefen, die Brüche, die Erfolge und Niederlagen, sind unterschiedliche Formen dieses Spürens. Andere Philosophien können Orientierung, Trost, oder Richtung bieten, doch sie entfalten ihre Bedeutung nur, weil ein fühlendes Wesen sie erlebt. Am Ende bleibt diese einfache, radikale Möglichkeit, dass der eigentliche Kern des Lebens darin liegt, dass das Universum durch dich, für einen begrenzten Moment, Bewusstsein und Emotion wird, und sich in genau diesem Erleben selbst begegnet. 

Vielleicht erklärt das auch, warum ausgerechnet eine Zeit wie Weihnachten viele Menschen so stark bewegt. Zwischen Lichtern, Stille und Begegnungen, entstehen Momente, in denen Erfolgslisten und Ziele leiser werden, und das Erleben selbst in den Vordergrund tritt. Mögen dir diese Tage Augenblicke schenken, in denen du das Leben klar und warm spürst, im Blick eines Menschen, im stillen Atemzug, im Gefühl von Dankbarkeit. Frohe Weihnachten, und ein Jahr, in dem du dich selbst, und die Welt um dich herum, immer wieder lebendig wahrnehmen kannst.

Türchen 12 (von Benedikt)

Reisen ist für mich ein wichtiger Teil meines Lebens. Es zeigt mir, wie es woanders aussieht, wie andere Menschen leben, fühlen und miteinander umgehen. Unsere Reise war für mich ein Einatmen. Ein großes, warmes, staunendes Einatmen.

Wenn ich an diese wunderschönen Wochen zurückdenke, tauchen zuerst die Gesichter auf. Menschen, die uns angelächelt haben, lange bevor wir überhaupt wussten, wie wir ,,Hallo“ in ihrer Sprache sagen. Menschen, die uns den Weg gezeigt haben, obwohl sie selbst in Eile waren. Menschen, die uns Dinge schenkten, obwohl sie selbst nicht viel besitzen.

Was ich an diesen Ländern am meisten bewundere, ist die Leichtigkeit, mit der Herzlichkeit geteilt wird. Sei es der vergessene Laptop, den wir zurückbekommen haben, die Snacks, die uns im Bus in die Hand gedrückt wurden, oder ein einfaches Lächeln, das von Herzen kam.

All diese kleinen Gesten, unscheinbar und gleichzeitig riesengroß.
Manchmal hat es mich fast beschämt, wie selbstverständlich diese Großzügigkeit fließt. Diese Handlungen waren ohne Erwartungen, getragen von reiner Menschlichkeit und Nächstenliebe.

Ich habe auf dieser Reise etwas gelernt, das sich schwer in Worte fassen lässt: Dankbarkeit ist nichts, was man übt wie eine Sportart. Sie passiert, wenn das Herz kurz stolpert und man merkt, wie viel einem geschenkt wurde. Einfach so.

Vielleicht ist das der wahre Reichtum dieser Menschen. Nicht Besitz, nicht Komfort, sondern die Fähigkeit, Verbindung zu schaffen, von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz.

Jetzt, im Advent, wo die Welt etwas leiser wird und man ein bisschen näher zu sich selbst rückt, denke ich viel daran zurück. Diese Reise hat mich weicher gemacht. Dankbarer. Aufmerksamer für das Gute, das uns begegnet, wenn wir offen dafür bleiben.

Vielleicht ist genau das der Spirit dieses Adventskalenders, ein kleiner Raum, in dem wir uns an das erinnern, was uns berührt hat, und es weitergeben. Meine Dankbarkeit reist jedenfalls immer noch mit mir. Sie hat sich irgendwo zwischen Hanoi und Phnom Penh in meinen Rucksack geschlichen und weigert sich seitdem, wieder zu verschwinden.

Ich möchte diesen Raum hier nutzen, um daran zu erinnern, nicht alles als selbstverständlich anzusehen und dankbar zu sein für das, was man hat – auch wenn das Leben manchmal nicht leicht ist. Am Ende ist Gesundheit das Wichtigste, und wir sollten diese Dankbarkeit nicht verlieren und mit Offenheit und Nächstenliebe durch die Welt gehen.

Wir wünschen euch eine wunderschöne und besinnliche Adventszeit.
Lara und Benedikt

Türchen 11 (von Sebastian)

Ein Jahresvorrat Schokolade

oder wie man sein Glück kaum fassen kann und die beste Familie und Freunde auf der ganzen Welt hat!

Um mich vor mir selbst zu schützen, habe ich alle Tafeln Schokolade, abzüglich der bereits genossenen, in weihnachtliches Geschenkpapier verpackt und im Stile eines Adventkalenders mit einer Kalenderwoche versehen und die Sammlung in meiner Wohnung etwas außer Sichtweite platziert.
Tatsächlich wartet nun nächstes Jahr jede Woche eine Tafel Schokolade auf mich!

Wie ich zu diesem enormen Vorrat komme? Dies hat sich wie folgt zugetragen.

In der Abenddämmerung spaziere ich mit meinem Bruder Philipp die Aspernallee entlang und freue mich auf ein gemeinsames Abendessen. Der Abschluss eines sehr schönen Geburtstages, an dem ich schon einen Teil meiner Familie gesehen habe oder mit ihnen telephoniert habe, mit Freundinnen Mittagessen war und liebe Nachrichten aus allen Himmelsrichtungen bekommen habe.

Als wir die Stiegen zum Lusthaus hinaufgehen und es drinnen finster ist, realisiere ich, was sich hier zuträgt.
Wir gehen hinein und ich bin völlig überwältigt von achtzig so lieben Menschen zum Geburtstag besungen zu werden.

Die Festgesellschaft setzt sich aus Menschen zusammen mit denen ich in die Schule gegangen bin, verwandt bin, gemeinsam auf Urlaub war, die ich im Ausland kennengelernt habe, mit denen ich Karten spiele, die Nächte durchtanze, anderen meiner Interessen nachgehe, bereits in einem Bett geschlafen habe oder auch fantasy football spiele.

Diese Kategorien standen auf der Bingo Karte und zusätzlich sind mir im Laufe des Abends noch viele weitere lustige, emotionale und spannende Geschichten eingefallen, die wir bereits gemeinsam erlebt haben.

So viele Tränen der Rührung habe ich schon lange nicht, wenn überhaupt jemals, an einem Abend vergossen.

Dazu hat maßgeblich das Video mit lustigen Anekdoten und herzerwärmenden Grüßen aus der ganzen Welt beigetragen.

In einer Schachtel unter einer Collage von Photos von Freunden mit mir wurde als gemeinsames Geschenk auch dieser wundervolle Vorrat an Schokolade zusammengetragen, der mich nun ein ganzes Jahr begleiten wird und mich immer wieder an diesen Abend zurückdenken lassen wird.

Das Fest ist ohne Zweifel das monumentalste Geschenk, das ich jemals bekommen habe und beim Schreiben dieser Zeilen kommen mir schon wieder die Tränen!

Es ist schwer den Dank an Noelle, Niko und Philipp und alle anderen, die an dem Entstehen dieses wahrlich famosen Festes beteiligt waren, in Worte zu fassen!

Türchen 10 (von Kathrin)

Weihnachtsmusik

Ich weiß ja nicht, wie Eure Weihnachtsplaylist so aussieht, meine war jahrelang eine eher unfreiwillige (wenn auch in vielen Fällen nicht unwillkommene). Ich habe gehört, was meine Eltern so in der Weihnachtszeit gehört und gespielt haben, ich habe mitmusiziert und mitgesungen, was andere ausgesucht hatten, und ich wurde mit dem beschallt, was auf Weihnachtsmärkten, in Geschäften und im Radio so gespielt wurde. Eine besondere Rolle hat aber immer das Bach’sche Weihnachtsoratorium gespielt (ihr wisst schon: Jauchzet, Frohlocket!), wobei es da ganz wichtig war, dass es nicht zu früh gehört wurde und später dann am besten ganz streng jede Kantate an dem Tag, für den sie geschrieben wurde. Dadurch, so hoffte ich, würde die Musik frisch bleiben, nicht ausgenudelt vom Nebenherhören. Aber – und ich hoffe, das lesen meine Eltern jetzt nicht – es hat nicht ganz geklappt.: das „WO“, wie es gerne genannt wird, hat zumindest einen Teil seines Zaubers verloren- zu oft gehört. Und so geht es mir mit manchen anderen Weihnachtsliedern auch, vor allem den englischsprachigen, die überall gespielt werden.

Wenn aber Beschränkung nicht hilft? Was hilft dann?

Letztes Jahr habe ich im Wintersemester eine Vorlesung gehört, die zu den besten Lehrveranstaltungen gehört, die ich je besucht habe: „Musik zu Weihnachten: Genres, Topoi und Aufführungskontexte zwischen ca. 1600 und 1900“. Tatsächlich haben wir weit vor 1600 begonnen und uns zuletzt auch mit den großen amerikanischen Weihnachtsliedklassikern des 20. Jahrhunderts beschäftigt (ich sag nur: White Christmas) und da hab ich nicht nur unheimlich viel über Weihnachten als Fest des Bürgertums des 19. Jahrhunderts gelernt, sondern meine Weihnachtsplaylist auch deutlich erweitert. Besonders liebgewonnen habe ich dabei französische Weihnachtsmusik, vor allem die Messe de la Minuit pour Noël von Charpentier, eine Komposition für die Mitternachtsmesse in der Nacht auf den 25., basierend auf Melodien damals beliebter auch weltlicherer Weihnachtslieder. Hier findet Ihr einen schönen Konzertmitschnitt (https://youtu.be/hFhoFZ1iRpA?si=-P4_vpbTSv9ipvJc) und das ist meine Lieblingsaufnahme (https://tidal.com/album/320528976) gemeinsam mit anderer Weihnachtsmusik von Charpentier und Zeitgenossen. Auch schön und für alle die es ein wenig romantischer mögen ist das Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns (https://www.youtube.com/watch?v=74AqvpeIMxw . Wer es so richtig spätromantisch bombastisch mag, dem/der sei Carl Loewes Festzeiten (https://www.youtube.com/watch?v=cKeeQHK3Vig) empfohlen.

Weihnachtsmusik muss aber nicht immer Text haben. Besonders beliebt waren ab dem Frühbarock sogenannte Pastoralen, Hirtenmusiken, die durch den typischen Rhythmus und die Verwendung von Holzblasinstrumenten gekennzeichnet sind. Am bekanntesten ist sicher der Pastorale-Satz aus Corellis Weihnachtskonzert (https://youtu.be/I8gl1TCz6a0?si=KXWLXbOrVApr0rZ4). Aber auch in vielen anderen Weihnachtsmusiken und Weihnachtsliedern finden sich Pastoralen, nicht zuletzt im Weihnachtsoratorium (Sinfonia, nein zum Weihnachtsoratorium kein Link 😉).

Weihnachtsmusik braucht aber nicht nur keinen Text, sie braucht nicht mal immer Musik. Cage hat sein berühmtes Stück 4:33 nicht für Weihnachten geschrieben, aber eine Gruppe von Musiker*innen hat es speziell für die Weihnachtscharts aufgenommen (https://www.theguardian.com/music/2010/dec/06/cage-against-machine-x-factor) – damit endlich mal ein paar Minuten Ruhe ist. Auch das kann ich empfehlen: Stille und leise Geräusche statt Weihnachtsmusik in Dauerschleife.

Und schließlich eine letzte Möglichkeit: Weihnachtsmusik selbst singen. Da fühlen sich für mich selbst die bekanntesten Lieder gut an. Und das geht sogar mit dem Weihnachtsoratorium (wie schon geschrieben, keine Links hier zum WO, aber sucht doch mal nach „Weihnachtsoratorium WG“ auf youtube), wäre ich noch im Studierendenalter würde ich schauen, ob ich bei so etwas mal dabei sein kann. Aber es müssen nicht immer die großen Werke sein, es tun auch einfache Lieder – zur Not auch mit Gemüse (https://www.instagram.com/p/DSA96WODMM0/)

Frohes Singen, Musizieren und ggf. Gemüseschnitzen!

Türchen 9 (von Katrin)

Energiebilanz

Letztes Jahr war ich bei einem Workshop, bei dem es folgende Übung gab:
Man sollte sich vorstellen, jeder bekommt täglich eine gewisse Menge Energie, z.B. 100 Einheiten Energie täglich. Und jeden Tag tut und erlebt man Dinge, die einen entweder Energie kosten oder zusätzliche Energie bringen, also entweder verliert man Energie oder gewinnt welche. Am nächsten Tag bekommt man erneut 100 Einheiten Energie, und die Frage lautet: Hat man vom Vortag ein Plus, ein Minus oder war man ca. auf null? Mit wieviel Energie startet man also den neuen Tag? Und wie schaut das über Wochen, Monate, Jahre aus? Es ging darum, zu verstehen, dass ein konstantes Energie-Minus sich irgendwann körperlich manifestiert und womöglich krank macht. Und umgekehrt; umso besser man auf seine Energiebilanz achtet, umso gesünder hält man sein ganzes System, einschließlich seinen Körper. Dann sollte man eine Liste erstellen mit zwei Spalten: eine Plus-Seite und eine Minus-Seite. Zur Minus-Seite gehören auch z.B. Verpflichtungen, die man nicht so mag, aber (zumindest im Moment) Teil des Lebens sind wie beispielsweise ein bestimmter Job oder Kommunikation mit dem dem Ex-Partner, weil gemeinsame Kinder etc., zur Plus-Seite umgekehrt die Dinge, die einem Freude bereiten, einen glücklich machen oder bei/nach denen man sich besser (lebendiger, erholter, mehr in seiner Mitte, kräftiger, whatever) fühlt als vorher. Wir haben ca. 5 Minuten Zeit bekommen und sollten einfach mal Dinge aufschreiben, die uns zu beiden Seiten in den Sinn kommen. Blitzschnell war meine Liste erstellt und ich war erstaunt, dass ich sie auch auf der Heimfahrt nicht mehr korrigieren musste – es war sonnenklar.

In diesem Gedanken versuche ich meine Tage zu gestalten und es gelingt mir mal besser, mal weniger gut. Und nach 1,2 Tagen mit zu viel Minus lässt mich das mein Körper und meine Stimmung sofort spüren – spätestens dann wird es wieder Zeit, auf Plus-Dinge zu achten, und mir geht es sofort besser.

So bin ich vielleicht etwas geiziger mit meiner Zeit geworden, und gleichzeitig großzügiger mir selbst gegenüber, drehe tagsüber auch mal das Internet am Handy ab und erlaube mir, auf meine Grenzen zu achten. Die Übung wirkt lange nach und immer wieder denke ich an das Bild der Power Point-Folie mit den zwei Batterien; eine voll und eine leer.

Meine Frage an Euch:
Was steht auf Eurer Liste?

Türchen 8 (von Andi)

# Das Viele im Nichts

## Nichts Planen

Wenn sich das Jahr dem Ende neigt, die Tage kürzer und die Nächte länger werden, beginnt für unsere hektische Gesellschaft ein letztes Aufbäumen. Schnell muss noch alles fertig gemacht werden. Firmen erhalten noch letzte Aufträge, Budgets die ausgespielt und abgearbeitet werden müssen, Ergebnisse, die erzielt werden müssen und wir “natürliche Personen” wie es so lieblos heißt, haben auch viel zu tun.

Geschenke kaufen! Geschenke planen! Karten schreiben, Deko organsieren und Programm für die Feiertage aufstellen: Denn, wenn der arbeitsreiche Dezember abgeschlossen und der Dezmeber der Ruhe beginnt, möchte man ja gut vorbereitet sein…

Lang anstehende Projekte endlich angehen, vielleicht sogar die ganze Kust des Heimwerkertums ausspielen und selbst Bretter zuschneiden, kleben, nageln und bohren und endlich den lang ersehenten Stauraum schaffen? Besuch bei den Großeltern, der Familie im Ausland, oder allgemein ein Urlaub? Jedenfalls ganz viel Energie tanken! Das is ja auch so ein wichtiges ToDo…

Ich selbst habe mir da auch einiges vorgenommen. Lange habe ich überlegt, was ich heuer alles machen könnte, was ich eigentlich machen will, und kam zu dem Entschluss: ich werde nicht sehr viel machen, dafür aber viel Nichts! 

## Die Essenz des Nichts

Das mit dem Nichts ist nämlich, bei näherem Betrachen, schon eine erstaunliche Sache. In gerade zu selbstvergessener Weise denken wir uns nichts dabei wenn wir ans Nichts denken. Dabei trauen wir dem Nichts doch immer so viel zu!
Ein Auto zum Beispiel, das kann wie aus dem Nichts auftauchen und für eine Schrecksekunde sorgen. Klar, so ein Auto kommt nicht wirklich aus dem Nichts, aber für den Schrecken den wir erfahren, wäre es wohl egal, wenn es nicht doch aus dem Nichts gekommen wäre. Wie aus dem Nichts eben.

Auch schöne Sachen kann das Nichts hervorbringen. Überraschungen zum Beispiel. Die sind immer dann besonders erfolgreich, wenn sie einem wie aus dem Nichts heraus begegnen. Oder Ideen, die uns, wie aus dem Nichts heraus, plötzlich einschießen.

Geld. Geld ist auch so eine Sache, die zum größten Teil direkt aus dem Nichts kommt. Wenn man bei einer Bank einen Kredit aufnimmt, dann schaffen die auf einmal Geld das vorher nicht da war. Ex-nihilo, aus dem Nichts, nennt sich das. Aber haben Banken einen besonderen Draht zu dem Nichts? Den will ich auch haben!

PhysikerInnen meinen, das ganze Universum könnte aus dem Nichts entstanden sein. Also da wird noch diskutiert, denn das Universum kommt vielleicht nicht aus dem Nichts, dafür dann aber das Multiversum. Aha.
Wo sie sich einiger sind, ist beim Nichts selber. Das hätte ganz schön viel Energie meinen sie. Weil nicht sein darf, was nicht sein darf, ist das Nichts halt doch nicht ganz nichts, sondern ein Grundrauschen an Energie. Und weil das Universum eben hauptsächlich aus Nichts besteht, besteht das Universum somit hauptsächlich auch aus der Energie im Nichts. Ok.

## Maximal Nichts

Also bin ich schon gespannt, was alles das Nichts für mich bereithält. Ob Schrecksekunden oder große Ideen, ich bin bereit! Nichts hätte ich auch dagegen, wenn Geld auf mich wartet. Ich bin zwar keine Bank, aber vielleicht sollte ich mal wieder Lotto spielen?

Jedenfalls Energie. Die möchte ich ganz viel sammeln und wenn die klügsten Köpfe meinen, es stecke so viel Energie im Nichts, dann werde ich mich auf die Suche begeben. Keine Schwammerl-Suche im Wald, sondern eine Energie-Suche im Nichts, das klingt nach einem Plan. Und gestartet wird mit: nichtstun!

Türchen 6 (von Karo)

(Eigentlich sollte mein Beitrag lustig und warm sein, voller Anekdoten aus dem Leben meiner
kleinen Malteserdame TikTok, da heute ihr 3. Geburtstag ist. Wir haben sie damals für meinen Schwiegervater ausgewählt – als treue Seele, die immer a seiner Seite sein sollte. Er lebte alleine und sollte zu jemandem nach Hause kommen können – sie war aber nicht der starke Schäferhund, den er erwartet hatte. So bereichert sie nun mein Leben. Nun hat sich dieser Beitrag aber leider nicht mehr richtig angefühlt …)

Wie kostbar ist Zeit!

Wir haben letzte Nacht ganz unerwartet meinen Schwiegervater verloren.
Deshalb teile ich hier statt beschwingender Geschichten, den Schmerz über den Verlust einer Wahren Legende.

Es fällt mir schwer alle Gedanken in Worte zu fassen, ich versuche zu schreiben wie es mir jetzt in den Kopf kommt:

Ein Mann mit einem goldenen Herzen, und genau dieses musste wohl zu viel tragen und hat nun alle Kraft verloren.

Wir trauern.

Noch vor zwei Monaten haben wir zusammen gelacht – laut und ausgiebig. Ein erster Besuch in UK seit Jahrzehnten, denn er lebte in Jerusalem. Ich glaube er wusste es geht langsam dem Ende zu, deshalb noch eine letzte große Reise um alle seine Kinder zu besuchen und vor Ort zu sehen wie ihr Leben aussieht. Von Palästina nach USA, von dort nach Dänemark und dann zu uns nach UK. Mit langen Stopps um Erinnerungen zu schaffen, auszuruhen und gemeinsame
Momente zu genießen. Und: um viele Fragen zu beantworten und alte Geschichten zu erzählen – die meisten waren uns allen neu.

Der Abend vor der Abreise war laut, voller Lachen, gutem Essen, Gemeinsamkeit und keiner wollte zu Bett gehen und den Tag enden lassen.

Die Fahrt zum Flughafen war still und die letzte Umarmung am Flughafen mit vielen Tränen verbunden. Ich ahnte es,  wollte es aber nicht aussprechen – das könnte das letzte Mal sein.

Letzte Nacht dann der Schock. Wieder eine Faust ins Gesicht, die nicht nur übelste Schmerzen verursacht, sondern erneut zeigt wie kostbar und kurz das Leben ist:

LEBE
Lebe mutig und bewusst. Nimm die kleinen Momente wahr, die still an dir vorbeiziehen, und halte sie fest, bevor sie zu Erinnerungen werden. Lebe so, dass du am Ende des Tages weißt: Du warst wirklich da — mit all deinen Farben, Zweifeln und Freuden.

TRÄUME
Träume groß und frei. Lass dich nicht davon abhalten, neue Wege in deinem Herzen zu öffnen, auch wenn die Welt manchmal schwer wirkt. Träume sind Kompass und Licht zugleich — sie erinnern uns daran, wohin wir wollen und wer wir sein können.

LACHE
Lache oft und ehrlich. Lachen trägt, heilt und verbindet uns miteinander. Es macht selbst die dunkelsten Stunden ein Stück heller und schenkt dem Alltag die Leichtigkeit, die wir manchmal vergessen. Lache, wenn dein Herz es braucht und erst recht, wenn es schwer ist.

LIEBE
Liebe tief und ohne Zögern. Liebe Menschen, Momente, Erinnerungen — und auch dich selbst. Liebe ist das Einzige, das bleibt, wenn alles andere sich verändert. Sie macht uns mutig, sanft und stark zugleich. Liebe, weil es das ist, was unser Leben wirklich füllt.Wir vermissen dich und halten dich in unseren Herzen fest – für immer.

Wir vermissen dich und halten dich in unseren Herzen fest – für immer.

Türchen 5 (von Martina)

Eines Tages werde ich Polizistin oder Fotomodell, das dachte sich ein kleines, unscheinbares Mädel vom Bauernhof. Ausgelacht, aber wer hätte das gedacht? Einmal ernst genommen, hat sie ihre Ideen mit Hartnäckigkeit und einem Sturkopf durchgebracht.

Oft missverstanden, ungeliebt und suchend stolperte sie durchs Leben. Dieses Leben schien anstrengend, oft schmerzhaft aber zwischendurch schaffte sie sich auch lustige Momente. 

Hoppla, wer ist das? Ein wortgewandter bärtiger Mann der viel zu erzählen hatte. Nicht ahnend, dass sich hier 2 Herzen die einst gebrochen sich nun einander zuwenden wollen.
Die dreckige, unfreundliche, einst lebenswerteste Großstadt Wien hat uns magisch angezogen, ein Thunfisch und ein Herzi fehlen hier-  übersiedeln ist angesagt.
Nun gibt es hier einen Platz der das Wort Zuhause ausfüllt. Eine neue Geborgenheit in mir selbst und im einst noch fremden Gegenüber einiges gefunden, das zu lieben leicht ist.
Nun soll das Jahr 2026 kommen und mich überraschen mit Reisen, einer neuen Lebensqualität mit der neuen gefundenen Familie, die sich vollständig anfühlt.

Ich bin bereit – immer noch stur, aber auch erfüllt mit Glück und Liebe ♡