Türchen 2 (von Daniel)

Sparen mit Freude: Der frugale Weg zum Glück

Die Wichtigkeit des Sparens
Sparen ist nicht nur ein finanzielles Konzept, sondern eine Lebenseinstellung. Es ermöglicht uns, für die Zukunft vorzusorgen, unerwartete Ausgaben zu bewältigen und finanzielle Ziele zu erreichen. Doch darüber hinaus schenkt uns das Sparen auch ein Gefühl der Sicherheit und Freiheit. Indem wir bewusst mit unseren Ressourcen umgehen, legen wir den Grundstein für ein ausgewogenes, nachhaltiges und erfülltes Leben.

Sich Konsum sparen
In einer Welt, die oft von Konsum und Schnelllebigkeit geprägt ist, scheint das Sparen manchmal in den Hintergrund zu rücken. Doch die Kunst des Sparens birgt nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch eine tiefe Verbundenheit mit dem einfachen, aber erfüllenden Leben. Lasst uns gemeinsam die Bedeutung des Sparens erkunden und entdecken, wie es uns nicht nur finanzielle Freiheit, sondern auch Freude an Unternehmungen in der Natur mit sich bringt.

Die Freude am Sparen
Die Freude am Sparen liegt nicht primär im Anhäufen von Geld, sondern in der Entdeckung der einfachen Freuden des Lebens. Ein bewusster Lebensstil, der auf Sparsamkeit basiert, lehrt uns, den Wert von Dingen neu zu schätzen. Das Glück findet sich oft in den kleinen Dingen, sei es ein selbstgemachtes Mittagessen, ein gemütlicher Abend zu Hause oder das Teilen von Momenten mit Freunden und Familie, ohne dass dabei das Budget strapaziert wird.

Unternehmungen in der Natur
Die Natur bietet uns einen reichen Schatz an kostbaren Erlebnissen, die keinen Cent kosten. Spaziergänge im Park, Picknicks am See oder das Bestaunen des Sonnenuntergangs sind nicht nur eine Wohltat für den Geldbeutel, sondern auch für die Seele. Die Natur schenkt uns Ruhe, Inspiration und die Möglichkeit, dem hektischen Alltag zu entfliehen, ohne dabei ein Loch in die Finanzen zu reißen. Das schenkt uns langfristige Zufriedenheit und macht Sparen zu einem Abenteuer, bei dem die Freude nicht auf der Strecke bleibt.

Türchen 1 (von Doris)

Wenn das Leben mal zu viel ist

Ich habe schon lange keine Skrupel mehr in einem vollen Zug zu weinen. Okay, vorzugsweise in der Zweierreihe. An Weinen am 4er Platz mit Tisch kann ich mich nur einmal erinnern und an einen jungen Mann mir gegenüber, der dadurch oder sowieso, wer weiß das schon, sehr intensiv etwas in seinem Handy angesehen hat. Am 3er Bankerl vis a vis oben nach der Stiege habe ich noch nie geweint – das ist nichts für mich. Dort würde ich nicht weinen. Wie gesagt ich bevorzuge die 2erReihe, da kann ich am besten weinen. Auch wenn jemand neben mir sitzt, aber am liebsten wenn dieser jemand mein Rucksack ist.
Ich weiß nicht genau, warum die Tränen so oft im Zug kommen. Vielleicht weil es einer der wenigen Orte ist, wo ich tatsächlich alleine bin. Wo niemand was von mir will. Nicht mal ich selbst.
Ich erwarte nichts von mir in dieser Zugzeit und das ist vielleicht das Schönste daran.
Ich darf dort einfach sitzen. Ich habe einen Platz. Ich bin einfach da. Sonst nichts. Kein Anspruch. Keine Forderung. Keine Rolle zu spielen. Keinen Auftrag zu erfüllen.
Wenn die Welt da draußen dann links und rechts an mir vorbeizieht, rücke ich automatisch ein Stückchen nach Innen, Richtung zu mir selbst.
Und da ist sie dann. Schlagartig. Eine Mischung aus Loslassen und Traurigkeit breitet sich wie ein Lauffeuer in mir aus und füllt meine Augen mit Tränen. Sie hüllt mich ein, nimmt mich mit, weiter zu mir selbst. Die Welt da draußen verschwimmt.
Ich kann nichts tun. Ich muss nichts tun. Es passiert einfach, es fühlt sich gut an es einfach laufen zu lassen. Das bisschen Zuviel grad im Leben einfach überlaufen zu lassen. Ablaufen zu lassen. Ich frage mich nicht mehr warum genau ich weine, was genau passiert ist.
Es ist einfach so. Ich weine und weine. Und es ist gut. Es befreit. Es darf sich zeigen.
Die Tränen laufen mir die Wangen runter, sie tropfen von meinem Gesicht auf meine Schultern.
Es kommt der Punkt da kämpft sich die Welt da draußen wieder in meine Gedanken. Ich wische die Tränen aus meinem Gesicht, möglichst unauffällig. Was denken die anderen? Eine Frau, die im Zug weint, das irritiert doch, vielleicht stört es manche, vielleicht fühlen sich manche überfordert damit. Das will ich natürlich nicht. Am liebsten würde ich kurz aufstehen und klarstellen „ist nicht so schlimm, alles gut, nur grad zu viel alles, weitermachen hier gibt es nichts zu sehen und nichts zu tun“.
Das tue ich aber natürlich nicht. Viel zu peinlich. Die Außensicht hat mich wieder voll im Griff – die Angst andere zu irritieren geht in die Sorge über, dass mein Make-up zerstört ist, meine Haut nicht mehr makellos erscheint, was sie sowieso nicht ist. Meine Wimperntusche verlaufen ist und ich wie ein trauriger Clown aussehe. Ich weine weiter und wische Göttin sei Dank auch diese Gedanken mit den nächsten Tränen weg.
Es weint einfach in mir. Wein und weint. Ich lasse es zu. Ich lasse los.
Die Tränen laufen, ich weine, ich wische sie weg, sie kommen wieder, ich wische und wische. Es fühlt sich auf einmal an als würde ich mir mein Gesicht waschen. Mit meinen Tränen.
Es fühlt sich an als wasche ich mit meinen Tränen eine Stück der Maske ab, die ich oft aufhabe; als wasche ich den Versuch weg mich ständig schützen zu müssen, ich wasche das Lächeln weg wenn ich eigentlich Angst habe, das Starksein wenn ich mich in Wirklichkeit gerade verletzt fühle, das Lustigsein damit niemand merkt wie unsicher ich gerade bin.
Wie wäre es wenn meine Tränen das tatsächlich könnten? Wer wäre ich dann? Wer bliebe über?
Ich mag diese Gedanken, sie lassen mich lächeln und mich wohlig warm fühlen. Meine Tränen, die mir helfen Schichten abzuwaschen, die ich nicht wirklich brauche, die mich nur so sein lassen wie ich glaube sein zu sollen. Tränen, die mir helfen etwas auszugraben. Etwas Echtes, Pures, Unbewertbares. Dann wären die Tränen meine Freundinnen, Helferinnen, Verbündete. Sie belohnen mich für Momente, in denen ich zu mir stehe, dann wenn ich mich wichtig nehme, wenn ich mich verteidige, wenn ich mich ernst nehme, wenn ich mir zuhöre, wenn ich nicht den Umweg über andere nehme um mich wertvoll zu fühlen. Gut und schlecht verschwimmen. Sind die Tränen das Problem oder die Lösung? Egal, sie schenken mir ein Stück Erleichterung, ein Stück Loslassen, Dankbarsein, mich spüren. Einen Moment Ich sein.

Ich wünsche allen eine schöne Vorweihnachtszeit mit viel Spüren, Loslassen und ab und zu ein paar Tränen.

Blogsinn Adventskalender 2023

Ab morgen ist es wieder soweit. Das Jahr 2023 neigt sich dem Ende zu. Es wurden neue Erfahrungen gemacht, wir haben Schmerz durchlitten und Freude erfahren.
Wie in den sechs Jahren zuvor wird es auch dieses Jahr wieder den Blogsinn Adventskalender geben, wo diesen Gefühlen Ausdruck gegeben werden kann.

An jedem Tag bis zum 24.12. wird ein Türchen geöffnet, welches von einer Person übernommen wird. Im Prinzip darf sich alles dahinter verbergen: Musik, Prosa, Gedicht, Comic, Video, Bild etc. Es sollte nur nicht religiös oder politisch sein und es muss natürlich selbstgemacht sein. Und es sollte Herz drin stecken ❤️.

Ich denke, solche geschützten Räume sind wichtig, sie bieten Platz für offene sowie ehrliche Gefühle und für Reflexion.
Die letzten Jahre waren einfach grandios und ich bin guter Hoffnung, dass es auch dieses Jahr so sein wird.

Ich hoffe, ihr unterstützt diesen Raum wieder durch eure Aufmerksamkeit.
Und falls euch ein Türchen gefällt, würden wir uns alle freuen, wenn ihr diese mit euren Lieben oder in den sozialen Medien teilt.

Viel Spaß beim Lesen, Schauen und Fühlen.
Eure Türchen

Türchen 24 (von Marcel)

Der Neuanfang

Ich starre auf meinen Laptop. Der Punkt, an dem der Cursor in meinem Writer steht, blinkt unaufhörlich, fast schon anklagend. Mir fällt nichts ein. Was soll ich schreiben und worüber?! Während mir ein paar Ideen kommen und ich darüber nachgrüble, fällt mir auf, dass es für mich viel leichter ist, über meinen Schmerz oder meine Trauer zu schreiben, als über die Absenz davon. Ich frage mich, warum dem so ist und ob das der Grund ist, warum so viele Künstler:innen leiden? Ist die Schaffenskraft im Leid und Schmerz größer als im Glück; vielleicht ehrlicher, schonungsloser und selbstoffenbarender?

Ich überlege, etwas Lustiges zu schreiben oder zu machen, um euch und mich zu erheitern. Es fallen mir ein paar Sachen ein, aber dann zieht mich etwas zu meinem Anfangsgedanken zurück, er war zwar nur beiläufig, aber eigentlich möchte er mir etwas wichtiges mitteilen.

Es scheint mir gut zu gehen.

Es ist nicht so, dass es mich völlig überrascht, aber in diesem Moment wird es mir doch klar. Dieses Gefühl hatte ich eine ganze Weile nicht mehr.

Ich hatte natürlich viele wunderschöne Glücksmomente und tolle Erlebnisse, aber an eine stete ehrliche innere Ruhe fernab irgendeiner Getriebenheit oder vielleicht auch eines Schmerzes, daran kann ich mich, zumindest in dieser Form, nicht mehr wirklich erinnern.

Türchen 1 2021 ist erst ein Jahr her, aber emotional ist es ein ganzes Leben. Ich erinnere mich an die Trauer, den Schmerz und die Verzweiflung. Diese Gefühle sind immer noch ganz nah, aber gleichzeitig doch sehr fern. Sie sind jetzt ein Teil von mir und werden als Narben mein Leben lang sichtbar bleiben und mich daran erinnern. Und manchmal erfasst mich noch eine Melancholie oder ein kleiner Stich – wie z.B. heute am 24.12., wo ich vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben alleine zu Hause bin – aber diese Gefühle haben nicht mehr die Macht, mich zu erschüttern.

Ich bin erwachsen geworden. Ich hatte wahrscheinlich eh Glück im Leben, der Wahrheit erst so spät begegnen zu müssen. Vergänglichkeit, dieses furchterregende Monster und gleichzeitig Schöpferin aller Schönheit.

2022 war für mich das Jahr der Konsolidierung, ein Ankommen bei mir. Ich habe mich viel um mich selbst gekümmert, was dringend notwendig war, weil ich mich in den letzten Jahren so sträflich vernachlässigt habe. Nach meiner Trennung habe ich relativ schnell andere gedatet, wahrscheinlich um mein Selbstwertgefühl zu streicheln, aber ich habe dann herausgefunden, dass ich mich erst einmal selbst daten muss. Also habe ich Marcel nach rechts geswiped und mich neu kennen, aber vor allem lieben gelernt.

Ich habe den alten baufälligen Hof, der einst sehr schön war, abgetragen. Ich habe den zu lange unbehandelten Boden umgegraben und mit Liebe bestellt. Es wachsen erste Pflänzchen heraus. Sie sind bezaubernd. Und ich habe angefangen, ein neues Haus darauf zu bauen. Ich weiß jetzt viel besser, wie es aussehen soll und es wird viel stabiler sein als zuvor. Der Grundstein ist gelegt, erste Ziegel stehen schon, aber es wird länger dauern, bis es ganz fertig ist. Ich kenne noch nicht alle Details, aber ich sehe die Vision vor meine Augen und sie gefällt mir. Ihr seid herzlich eingeladen, mir dabei zu helfen und mich zu besuchen.

Noch ist die Zitrone nicht ausgepresst.
Der Funke springt freudig umher.
Der Kontakt ist noch aufrecht.

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Das war der Blogsinn Adventskalender 2022. Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei allen Türchen für ihre Beiträge. Ich finde, es ist einfach was ganz besonderes, was wir hier gemeinsam machen. Und natürlich auch Danke an alle Leser:innen, ich hoffe, ihr seid genauso berührt gewesen, wie ich es auch dieses Jahr immer wieder war.

Frohe Feiertage und ein wunderschönes neues Jahr. Ich liebe euch.

Türchen 23 (von Kathrin)

Dieses Jahr habe ich begonnen, Laute zu lernen. Ich habe viel dabei gelernt, auch Schmerzhaftes (zum Beispiel über mein Handgelenk und seine Grenzen). Aber auch ein wenig Lautespielen. Vor allem aber habe ich gelernt, etwas zu tun, was ich nicht kann und obwohl ich es nicht kann. Das tun wir (also ich) ja nur noch ganz selten. Ich muss immer wieder feststellen, dass ich zu Tätigkeiten und Aufgaben tendiere, die ich kann. Lautespielen konnte ich überhaupt nicht und ich bin noch immer weit davon entfernt, Stücke so zu spielen, wie ich sie gerne spielen würde. Aber ich kann besser aushalten, dass ich das bin (so weit entfernt davon, es zu können). Vielleicht schaffe ich das ja auch bei anderen Dingen (sie trotzdem zu tun, obwohl ich es nicht kann).

„Maria durch ein Dornwald ging“ klingt so, als sei es für Renaissance-Laute geschrieben. Tatsächlich ist es aber ursprünglich ein Wallfahrtslied aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eventuell geht es auf eine Melodie aus dem 16. Jahrhundert zurück, aber das stimmt vielleicht gar nicht. Heute wird es gerne in so mittelalterlich anmutenden Gewändern aufgeführt und als „uralt“ beschrieben. So ein wenig Fake-Renaissance halt. Schön ist es trotzdem.

Türchen 22 (von Katrin)

Ich hatte Großes vor dieses Jahr für den Adventkalender. Virtuoses. Wollte mir die letzten Tage Zeit dafür nehmen. Aber dann kam das Leben dazwischen; zuerst das eine Kind krank, dann mein Partner, dann das andere Kind und nun hat es auch mich erwischt. Und ich lieg darnieder, die Wohnung schaut aus, die Weihnachtsgeschenke sind noch nicht alle besorgt und ich pfeif aus dem letzten Loch. Und trotzdem bin ich irgendwie glücklich in diesem kompletten Chaos, obwohl ich Tonnen an Dingen zu tun hätte.
Und so übe ich mich darin, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind und freu mich darüber, dass meine 7-jährige Tochter heute wieder fieberfrei ist. Wir hören gemeinsam Santana, denn das macht gesund. „Die Musik ist so cool, weil man den Rhythmus so gut spürt!“ sagt sie. Und freut sich. Und ich freu mich auch. Und ich hüte mich vor Gefühlen und Gedanken Richtung Frust, Bedauern und Ungeduld, weil ich gelernt habe, dass das krank macht. Und ich weiß, sie wird heute mehr fernsehen, als ich normalerweise gut finde. Ich weiß, die Wohnung wird heute nicht mehr in den Zustand kommen, den ich am liebsten habe. Ich weiß, ich kann heute nicht mehr Klavier üben, an meiner Stimme arbeiten und mich in Musiktheorie vertiefen, wie ich es vorgehabt hatte. Aber ich bin trotzdem glücklich, weil irgendwie trotzdem alles gut ist. Weil ich weiß, dass am Abend mein Partner nach Hause kommt und vorher einkaufen war, weil mein 12-Jähriger von einem langen Schultag zurückkommt und er sich hier entspannen darf, sein darf. Weil wir zusammen sein werden, gemeinsam zu Abend essen, gemeinsam den Tag ausklingen lassen und die Kinder hoffentlich mit einem guten Gefühl einschlafen werden. Und dann werden wir uns vielleicht – wie so oft am Abend –  in die Augen schauen und ohne Worte im Blick des anderen lesen, was man sich selber denkt: dass wir das gut gemacht haben, gemeinsam. Und uns in den Arm nehmen.
Der Gedanke fühlt sich wohlig-warm an, da geht´s mir gleich ein bisschen besser.

Türchen 21 (von Erdoğan)

CHEMIE ODER ALCHEMIE?

Leute, die nach “Chemie” suchen, sind Liebeswissenschaftler, das heißt, sie sind an Aktion und Reaktion gewöhnt.

Menschen, die “Alchemie” finden, sind Künstler der Liebe, die ständig neue Arten des Liebens erschaffen.

Chemiker lieben aus Not.

Die Alchemisten nach Wahl.

Die Chemie stirbt mit der Zeit,

Alchemie wird durch die Zeit geboren …

Die Chemie liebt Verpackungen.

Alchemie genießt den Inhalt.

Chemie passiert.

Alchemie wird gebaut.

Alle suchen Chemie, nur manche finden Alchemie.

Chemie zieht männliche Chauvinisten und Feministen an und lenkt sie ab.

Alchemie integriert das männliche und weibliche Prinzip, weshalb sie zu einer Beziehung freier Individuen mit eigenen Flügeln wird und nicht zu einer Anziehungskraft, die den Launen des Egos unterliegt.

Alchemie bringt zusammen, was Chemie trennt.

Alchemie ist die wahre Ehe, Chemie die Scheidung, die wir jeden Tag bei den meisten Paaren sehen.

“Lasst uns anfangen, bewusste Beziehungen aufzubauen, denn die Chemie wird unseren Körper immer altern lassen, während die Alchemie uns immer von innen streicheln wird.”

Einen frohen Weihnachten und ein glückliches neues Jahr..

Türchen 20 (von Bernhard)

Das Jahr Null

Die Vorweihnachtszeit ist die Zeit, in der wir uns eine Kerze anzünden und an die Menschen denken, denen es schlechter geht als uns selbst. Denen die Vorsehung ein Schnippchen geschlagen hat, die vom Schicksal getroffen wurden oder vom Glück verfehlt. Es ist die Zeit, in der wir versuchen, mit diesen Menschen mitzufühlen. Wir zünden uns noch eine Kerze an, diese duftet besinnlich und lässt uns das innere Ich ergründen. Was können wir für diese Menschen tun? Schließlich wollen wir eine reine Seele in uns tragen und dafür bewundert werden. Wir zünden uns auch noch ein Räuchermännchen an, denn der Räucherkerzengeruch betört uns. Und lässt uns zu dem machen, was wir eigentlich sein wollen: Liebende Menschen. So wie Jesus, der uns dazu angehalten hat, die Botschaft der Liebe in alle Welt zu tragen, notfalls mit Nachdruck. Wir machen uns einen Amaretto auf, schütten ihn ins Glas und bestäuben die Oberfläche mit Zimt. Der picksüße Amaretto benetzt unsere Zunge und verklebt alle Geschmacksrezeptoren, außer jene natürlich, die nur für das Süße empfänglich sind. Und deswegen wollen wir zum zweiten oder schon dritten Glas Amaretto noch ein paar Vanillekipferl dazu. Und Pralinen mit Nougat und Marzipanfüllungen. Im einsetzenden Alkoholrausch und der drohenden Überzuckerung mischt sich allmählich Unbehagen in die nun vom Fichtenzweig-Aroma beherrschte Duftwolke, die den vom Kerzenflackern beseelten Raum eingenommen hat. Wir haben noch immer nichts dafür getan, bessere Menschen zu werden. Die, mit denen wir mitfühlen wollen, sitzen noch immer in der Kälte und in der Dunkelheit. Oder zumindest in der Kälte, denn an Beleuchtung fehlt es zur Zeit da draußen nicht. Warum liegen wir überhaupt hier, auf der Couch in dieser Wohlfühlecke, von der Schokoladeträgheit und dem rauschbedingten Nihilismus erschlagen? Statt zur inneren Mitte zu finden, wölbt sich die innere Mitte in Form von Unterbauchfett nach außen und hängt über die Lende wie ein Schurz.

Im letzten Aufbegehrungsversuch gegen die Fettleber kommen wir wieder zur Besinnung und zur Erkenntnis: Weihnachten ist schuld! Am unersättlichen Heißhunger auf süße Backwaren, an den geschmacksverirrten, blinkenden Lichterketten, am Tannengenozid, am Amaretto (und dass man sowas wirklich sauft), an der Weihnachtsdepression, an Weihnachts-CDs mit Panflöten-Arrangements, am häuslichen Streit bis hin zur Gewalt und der somnolenten Lethargie, wegen derer wir jetzt noch immer nichts für die Gebrannten dieser Erde getan haben. Lasst uns ein neues Leben beginnen und dieses Fest vergessen. Es ist das Jahr Null, die gesamte Zeitrechnung wird ab nun nicht länger an der Entbindung eines Neugeborenen ausgerichtet, sondern an der Abschaffung Ebendieser. Wir feiern dann den Jahrestag dieses wichtigen Schrittes, schmücken die Häuser und die Straßen und beleben den Handel. Dann zünden wir uns eine Kerze an und versuchen erneut, unsere Seele zu optimieren. Ob das nun die Situation bemitleidenswerter Menschen verbessert, vermag dieser esoterische Text nicht zu beantworten. Lediglich, wo sich die Zimtsterndose befindet: In Greifweite.

Türchen 19 (von Sebastian)

Ribiselschaumkuchen

Es gibt noch einen freien Platz auf der Terrasse, von dem aus man direkt auf den Fluss blicken kann. Dennoch nehmen die beiden an einem Tisch hinten im Café mit Fenstern in Richtung des Ortes Platz. 
Zu dieser Tageszeit scheint hier die Nachmittagssonne herein und tränkt den Raum in ein wohlig warmes Licht.
In gewohnter Manier bestellen sie zwei Ribiselschaumkuchen und zwei Melange.
Es folgt ein kurzer Moment, in dem beide durch die geschlossenen Lider stillschweigend die Sonnenstrahlen genießen. 
Dies ist der einzige Augenblick an diesem Tisch, in dem nicht geplaudert, gestikuliert oder gelacht wird.

In den nächsten beiden Stunden erinnern sie sich an gemeinsame Abenteuer in Asien und Ausflüge in das etwas weniger entfernte Burgenland, erzählen sich von ihren aktuellen Lieblingsbildern in der Gemäldegalerie und diskutieren gerade gelesenen Bücher.
Sie schütten sich auch ihr Herz über Wünsche, glückliche Momente, Schwierigkeiten und Sorgen aus.

Es genügt einen kleinen Auszug dieses Nachmittagsbesuches mitzuerleben um zu erkennen, welch schöne Freundschaft die beiden verbindet.

Nachdem sie die Rechnung beglichen und sich noch ausführlich mit der Wirtin unterhalten haben, verlassen die beiden nun das Lokal.

Wenig später erscheinen sie erneut auf der Bildfläche.
Diesmal treiben sie jedoch im Badekostüm mitten im Fluss. In der von beiden so geliebten Donau, in der sie schon so viele Kilometer gemeinsam geschwommen sind und die ihnen beiden jedes Mal so viel Kraft gibt.

Nach der Schiffstation gehen sie an Land und, im warmen Wind und der Abendsonne trocknend, sind sie erneut in ein vertrautes Gespräch vertieft.

So gehen Großmama und Enkel die Donaulände entlang.

Türchen 18 (von Carina)

Im Lichte der Zeit

Die Kleider der Bäume lassen verstehen –
die Jahre kommen, die Jahre vergehen …

Immer noch trage ich den Sommer in mir –
unter der Sonne im Gras, von der Donau noch nass –
gerade Standuppaddel entdeckt, und mich dann mit Kindern versteckt.

Wir haben zusammen gefeiert, gegrillt, gelacht und getanzt –
Glühwürmchen und Holzbienen gesehen –
gespürt wie wir und um die Erde drehen –
während wir auf Kometen warten –
wir haben draußen geschlafen in Zelten, und auch mal im Garten.

Doch um uns ist es jetzt bitterkalt –
vorbei ist das Bogenschießen im Wald.

Nicht mal die bunten Blätter sind mehr da –
die Tage vergehen plötzlich so schnell und es ist jetzt öfter dunkel als hell.
Das Jahr geht nun langsam zu Ende, und es wird bald Zeit für eine erneute Wende.

Doch mir kommt vor in uns leuchtet ein Licht –
für das brauchen wir die Sonne nicht.
Und mit uns leuchtet die Weihnachtszeit –
Und macht uns für etwas Schönes bereit.

Wird es um uns kalt, so kann es trotzdem warm in uns werden –
niemand ist alleine, wir sind gemeinsam hier auf Erden.

An den Kindern kann man es sehen –
wie schnell die Jahre vergehen.
In diesem Raum unendlich weit –
sind wir vielleicht selbst auch Zeit?

Ich wünsche euch eine schöne Winterzeit und hoffe, dass wir uns bald wieder sehen.
Mit ganz viel Liebe,
Carina